Schlachtschiff Bismarck | Das wahre Gesicht eines Schiffes
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  Alois Bacher  
  Alois Bacher

Matrosengefreiter

Alois Bacher

Flugabwehr

* 10.07.1920 in Gersdorf (Österreich) – † 27.5.1941

Matrosengefreiter  
Alois Bacher Österreich (1920)

Österreich (1920)

Quellen:

Anna Schütz † (Schwester) / Österreich

Christine Hopfer (Nichte) / Österreich

Maria Schütz (Nichte) / Österreich

Alois Bacher wurde am 10. Juli 1920 in dem kleinen Ort Gersdorf in der österreichischen Steiermark geboren. Er war das erste Kind von Pauline Bacher, die erst zwei Tage zuvor hochschwanger ihren achtzehnten Geburtstag begangen hatte. Als Tagelöhnerin verdiente sie ihr Geld. Der Vater war ein Großbauer aus der Region. Alois Bacher wurde jedoch als uneheliches Kind geboren und lernte seinen Vater nie kennen. Die Mutter sollte später dann einen anderen Mann heiraten und den Namen Weixler annehmen, während Alois ihren Mädchennamen Bacher behielt. Für den kleinen Jungen wurde der Stiefvater zum Ersatzvater. 1923 bekam die Familie weiteren Nachwuchs als die Halbschwester Anna am 6. Juli geboren wurde. Im darauffolgenden Jahr folgte mit Maria wenige Tage vor Weihnachten eine weitere Halbschwester.

Alois Bacher wurde in der Marktgemeinde Frauental, fünf Kilometer südlich seines Heimatdorfes, in die Volksschule eingeschult. Er war ein guter Schüler. Neben der Schule musste er als Knecht bei einem benachbarten Bauern aushelfen um das Einkommen der Famile aufzubessern. In den Sommermonaten, wenn die Ernte ausstand, wurde er gar von der Schule befreit um auf dem Feld zu arbeiten. Dann übernachtete er in der Grasskammer des Bauernhofes die weder Licht noch ein Fenster besaß. Besonders gefallen hat ihm diese Arbeit nicht. Viel lieber gab er sich der Musik hin und spielte Geige oder Ziehharmonika. Auch war er ein begabter Zeichner. Er war ein heiterer, freundlicher und liebenswerter Mensch und in späteren Jahren auf Festen gerne zu einem Schuhplattler aufgelegt, erinnert sich seine Schwester Anna.

Alois Bacher mit seiner Halbschwester Anna in Tracht Nach acht Jahren in der Volksschule endete seine Schulzeit. Bald darauf ging Alois Bacher nach Deutschland. Dort arbeitete sein Onkel auf einem Rittergut bei Altenburg, wo er auch ihm eine Stelle besorgt hatte. Seine Schwester Anna arbeitete ebenfalls in dem Ort. Sie war bei einem Arzt angestellt. Mit der Köchin des Rittergutes verband Alois Bacher bald eine Liebesbeziehung. Dennoch wollte er das Leben als Knecht hinter sich lassen. In der Bewerbung bei der Marine fand er schließlich eine Möglichkeit seinem Dasein als Knecht zu entkommen und darüber hinaus sah er eine Ausbildungschance für sich. Die Wahl zur Teilstreitkraft Marine hatte ihren Ursprung wohl in der Exotik, welche die Seefahrt auf den jungen Österreicher ausübte. „Es war eben etwas besonders.“ erinnert sich seine Schwester. So meldete sich Alois Bacher freiwillig und wurde angenommen.

Zum 1. April 1940 wurde er dann nach Stralsund in die 1. Kompanie der 11. Schiffsstammabteilung eingezogen. In Stralsund erlebte er in den folgenden zwei Monaten seine Grundausbildung. In einer Postkarte vom 18. Mai 1940 teilte er seiner Familie mit, dass er zum Ende des Monats von Stralsund fortkommen werde und so sollte es dann auch geschehen: Zum 1. Juni wurde Alois Bacher mit den meisten seiner Kameraden auf das Wohnschiff New York nach Gotenhafen kommandiert, auf dem sich ein Teil des Besatzungsstammes des noch im Bau befindlichen Schlachtschiffes Bismarck sammelte.

Später kam er dann nach Hamburg, wo die Bismarck in Dienst gestellt wurde. Alois Bacher wurde dem Flakpersonal des Schiffes zugeteilt. Seiner Familie schrieb er weiterhin Karten, so unter anderem während eines Aufenthalts der Bismarck in Kiel. Im Winter 1940 konnte er dann zum ersten Mal in den Urlaub in seine österreichische Heimat fahren. Die freie Zeit verbrachte er mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern. Er genoss den Urlaub sehr. Kurz vor seiner Abreise war er mit seinen beiden Schwestern auf dem Weg zu Nachbarn, die er noch bevor er losfuhr besuchen wollte. „Er war allerbester Laune und scherzte mit uns beiden“ erinnert sich seine Schwester Anna: „dann jauchzte er, warf die Arme hoch und brach zu unserem Erstaunen in Tränen aus.“ War es der baldige Abschied, oder eine Vorahnung, wie es rückwirkend seine Schwester Anna meinte, die Alois Bacher plötzlich traurig stimmten? Leider lässt sich diese Frage heute nicht mehr beantworten.

Noch ein anderes, im ersten Moment eigentlich nebensächlich erscheinendes, Ereignis begleitete den Heimatbesuch. Kurz vor seiner Abreise verlor Alois Bacher einen Knopf seiner Uniform. Alles Suchen half nichts, der Knopf blieb verschwunden und Alois Bacher untröstlich. Ohne den Knopf fuhr er dann zurück zu seinem Schiff und lief mit der Bismarck ein paar Monate später aus. Alois Bacher überlebte den Untergang der Bismarck nicht. Er fiel am 27. Mai 1941 im Alter von 20 Jahren. Als die Mutter vom Tod ihres einzigen Sohnes erfuhr war sie völlig verzweifelt und auch seine Schwestern, die ihn über alles liebten, hatte der Verlust schwer getroffen. Maria hatte bis zu ihrem eigenen Tod im Jahr 2011 ein Foto von ihm auf ihrem Nachtkästchen stehen und auch Anna, die sich zunächst mit Arbeit abzulenken versuchte, muss noch heute weinen, wenn sie ein Foto von ihm betrachtet. Aus Deutschland meldete sich die Freundin von Alois Bacher mit einem Brief und bat darum den Fotoapparat ihres Freundes als Erinnerung an ihn behalten zu dürfen. Auch die Heimatgemeinde nahm Anteil und verewigte Alois Bachers Namen auf einer Tafel zusammen mit allen anderen Gefallenen des Ortes. Wochen nach dem Untergang der Bismarck sah Anna auf einer Wiese etwas aufblitzen im Gras, bückte sich und fand den verlorenen Knopf wieder, den sie jahrzehntelang wie einen kostbaren Schatz aufbewahrte.

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