Schlachtschiff Bismarck | Das wahre Gesicht eines Schiffes
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  Bruno Köhler

Oberleutnant (W)

Bruno Köhler

2. Artillerietechnischer Offizier (2.A.T.O.), 8. Divison

* 28.3.1916 in Dresden (Königreich Sachsen) – † 27.5.1941

Oberleutnant (W)  
Bruno Köhler Deutschland 1916

Deutschland (1916)

Quellen:

Friedrich Körner (Sohn des Cousins)

Crewbuch Crew 36

Ranglisten der Kriegsmarine

* So erinnert sich zumindest Friedrich Körner.

** Michel = Sankt Michaelis-Kirche (Hamburger Wahrzeichen)

Bruno Köhler wurde am 28. März 1916 als Sohn von Antonia Stallmann in Dresden geboren. Seine Mutter hatte jung ihren Lehrer Köhler – daher der Name – geheiratet, doch hielt die Ehe nicht lange* und so wuchs Bruno Köhler als Einzelkind auf. Gesellschaft fand er bei seinen beiden Cousins Reinhold und Friedrich Körner, die fast gleich alt waren. Bei einer kinderlosen Tante in Hamburg, kamen die drei dann erstmals mit der Seefahrt in Berührung. Mit der ersten Begnung war ihre Begeisterung geweckt. Als erster trat Reinhold Körner, der älteste, 1933 in die Marine ein, um Seeoffizier zu werden. Zwei Jahre darauf folgte dann sein Bruder, der genau wie Bruno Köhler mehr technisch interessiert war und sich als Ingenieursoffiziersanwärter beworben hatte. Bei einem Besuch der Tante in Hamburg trafen sich die drei im gleichen Jahr wieder, Reinhold, der inzwischen Fähnrich z.S. war, und Friedrich Körner in Uniform, Bruno Köhler noch im Anzug in Zivil. Ein Erinnerungsfoto zeigt die drei auf dem Hamburger Michel**. Im Jahr darauf konnte dann auch Bruno Köhler endlich seine Abiturprüfung ablegen und seinen Cousins in die Marine folgen. Er trat mit der Crew 36 am 3. April 1936, eine Woche nach seinem zwanzigsten Geburtstag, der Kriegsmarine bei.

Seine Grundausbildung absolvierte Bruno Köhler bei der II. Schiffsstammabteilung der Ostsee in Stralsund. Seinem technischen Interesse folgend hatte er sich für die Waffenoffizierlaufbahn beworben und zählte nun zu den ersten Waffenoffiziersanwärtern, welche die Kriegsmarine ausbildete, nachdem diese Laufbahn im Vorjahr erstmals Einzug in die Marine gefunden hatte. Nach drei Monaten in der Rekrutenausbildung folgte im Sommer 1936 ein dreimonatiger Werkstättenlehrgang an der Schiffsartillerieschule in Kiel. Für die anschließend anstehende Bordausbildung wurde Bruno Köhler auf das alte Linienschiff Schleswig-Holstein kommandiert, das in Marinekreisen unter ihrem Rufzeichen „Sophie X“ bekannt war. Der Bordalltag bedeutete eine große Umstellung für ihn. War der Platz in der Kaserne schon beengt, so bot das Schulschiff noch weniger Freiraum und Privatsphäre und auch der Drill war ein anderer als an Land. Doch all dies nahm der junge Bruno Köhler ohne zu Klagen in Kauf, konnte er doch nun endlich zur See fahren.

Bildergalerie – Bruno Köhlers Kindheit

Bruno Köhler mit seiner Mutter im September 1916 Bruno Köhler in Zwickau im Mai 1917 Bruno Köhler im Juni 1917 Ein weiteres (undatiertes) Kindheitsbild Ein späteres (undatiertes) Kindheitsbild Bruno Köhler (Mitte) mit seinen Cousins Friedrich und Reinhold Körner auf dem Hamburger Michel Bruno Köhler (Mitte) mit seinen Cousins Reinhold und Friedrich Körner und Tante und Mutter auf dem Hamburger Michel Bruno Köhler als Fähnrich (W) mit seiner Mutter (links) und Tante (rechts)

Bilder zum Vergrößern anklicken.


Im Oktober 1936 ging es für ihn dann auf die erste große Fahrt. Die Schleswig-Holstein machte in Wilhelmshaven los und fuhr über den Atlantik bis an die Ostküste Süd- und Mittelamerikas. Dort wurden diverse Häfen angelaufen. War die Fahrtzeit der Bordausbildung vorbehalten, so bot jeder Hafen Bruno Köhler und den anderen Kadetten doch Gelegenheit dem Drill an Bord für ein paar Stunden zu entfliehen, ferne Länder zu erkunden, mit der Bevölkerung und den besonders erfreuten Auslandsdeutschen in Kontakt zu kommen und sich in Etikette zu üben, war man als Seemann doch zugleich Botschafter des eigenen Landes. So verging ein halbes Jahr, ehe die Schleswig-Holstein am 22. April 1937 wieder in Wilhelmshaven einlief. Nach ein paar Tagen dort ging es an die Marineschule Mürwik, wo zunächst die Fähnrichsprüfung folgte. Damit war die erste Bordausbildung beendet und Bruno Köhler konnte, bevor seine Ausbildung fortschritt, einen Urlaub zusammen mit seiner Mutter und Tante genießen.

Anschließend begann der Offiziershauptlehrgang an der Marineschule Mürwik. Der neu erworbene Fähnrichsdienstgrad, den Bruno Köhler am 1. Mai 1937 erlangte, brachte gewisse Annehmlichkeiten mit sich. So teilte sich der Einundzwanzigjährige die Stube nun nur noch mit einem Kameraden, war nun Vorgesetzter und wurde nicht mehr jeden Morgen früh durch den schrillen Pfiff des Bootsmannsmaaten aus der Hängematte gescheucht. Auch das Reinschiff übernahmen nun andere. In dem „roten Schloss an der Flensburger Förde“, wie die Marineschule auch genannt wurde, hatte nicht mehr der Drill, sondern der Unterricht die Oberhand. In den Hörsälen wurde in Fächern wie Navigation, Mechanik, Mathematik, Artillerie und anderen mehr unterrichtet. Dabei hatten die Fähnriche ein straffes Unterrichtsprogramm von rund 50 Stunden in der Woche zu absolvieren. Ausgleich fanden sie meist beim freizeitlichen Segeln auf der Flensburger Förde. Die Sonntage waren frei und so wird Bruno Köhler dies sicherlich manches Mal für einen Ausflug nach Hamburg zu seiner Tante genutzt haben. Gegen Ende der Marineschulzeit unternahmen die Waffenoffiziere Fahrten in verschiedene Rüstungsfabriken innerhalb Deutschlands, um dort Fertigungsprozesse und anderes näher kennen zu lernen. Im November 1937 legte Bruno Köhler dann erfolgreich seine Waffenoffiziersprüfung ab. Kurz darauf endete die gemeinsame Schulzeit der gesamten Crew in Mürwik. Für Bruno Köhler folgte ein zweiter Werkstättenlehrgang an der Schiffsartillerieschule, ehe er zusammen mit allen anderen Waffenoffizieren seiner Crew zur Ausbildung auf die Marinewerft Wilhelmshaven kam. Am 1. Juli 1938 wurde er zum Oberfähnrich (W) und drei Monate später, nach insgesamt dreißigmonatiger Gesamtdienstzeit, zum Leutnant (W) befördert. Damit war seine Offiziersausbildung endgültig abgeschlossen.

Die nächsten zwei Jahre, in denen der Krieg ausbrach, fand sich Bruno Köhler wohl ausschließlich auf Landkommandos wieder. Er sehnte sich nach einem Bordkommando, wahrscheinlich um selber aktiven Anteil an dem Kampfgeschehen zu bekommen. Besonders das Schlachtschiff Bismarck wurde zum Ziel seiner Wünsche. Da Waffenoffiziere aber fast ausschließlich an Land eingesetzt wurden, gab es kaum eine Möglichkeit dieses zu erreichen. Als Bruno Köhler dann erfuhr, dass Hans-Dieter Pfänder, ein Crewkamerad und Freund seines Cousins Reinhold Körner, auf der Bismarck fuhr, bat er ihn, mit ihm zu wechseln. Dieser stimmte zu und auch die Marine gab ihr Einverständnis und so kam Bruno Köhler im Dezember 1940 als 2. Artillerietechnischer Offizier auf das Schlachtschiff Bismarck. Für ihn erfüllte sich damit ein Traum, den er bald bereuen sollte.

Bruno Köhler (rechts) mit seinen beiden Cousins Friedrich (links) und Reinhold Körner (Mitte), das Foto stammt aus dem Jahr 1940 Als 2. Artillerietechnischer Offizier gehörte Bruno Köhler, inzwischen zum Oberleutnant (W) befördert, der 8. Division an und bezog eine Kammer im mittleren Teil des unteren Brückendecks an Backbordseite. Im Januar 1941 kam es zu einer unerwarteten Begegnung mit seinem Cousin Friedrich Körner, welcher als Leitender Ingenieur auf U 556 fuhr. Das U-Boot war, wie die Bismarck auch, bei Blohm & Voss neu gebaut worden. Im Frühjahr 1941 lagen beide in der Hamburger Werft. Diese Gelegenheit hatte der Kommandant von U 556, Herbert Wohlfahrt, ergriffen und sich beim Kommandanten der Bismarck den Bordmusikzug für seine Indienststellungsfeier ausgeliehen. Im Gegenzug hatte er dem „großen Bruder“ eine Patenschaft angeboten und versprochen, ihm in jeder Lage Beistand zu leisten. Die beiden Cousins werden sich bei dieser Gelegenheit sicher auch begegnet sein.

Knapp ein halbes Jahr verbrachte Bruno Köhler an Bord der Bismarck und wurde während der zweiten Ausbildungsphase des Schiffes in der Ostsee mit seinen Soldaten und Aufgaben vertraut, ehe es im Mai 1941 auf die erste Feindfahrt ging. Bruno Köhler sollte den Untergang der Bismarck am 27. Mai 1941 nicht überleben. Er fiel zwei Monate nach seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag. Das Schicksal wollte es, dass sich sein Cousin Friedrich Körner mit U 556 in unmittelbarer Nähe der Bismarck befand, ihr aber nicht mehr helfen konnte, da sie alle Torpedos verschossen hatte. Friedrich Körner erlitt genau einen Monat nach Bruno Köhler dasselbe Schicksal, als U 556 von drei britischen Korvetten vernichtet wurde. Von den dreien, die sich 1940 noch stolz in Uniform hatten fotografieren lassen, überlebte nur Reinhold Körner den Krieg.

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