Schlachtschiff Bismarck | Das wahre Gesicht eines Schiffes
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Funkmaat

Helmut Baltz

Funker, 9. Division

* 24.1.1917 in Bad Schmiedeberg (Prov. Sachsen) – † 27.5.1941

Funkmaat  
Helmut Baltz Deutschland 1917

Deutschland (1917)

Quelle:

Ronny Hoffschulze / Brunsbüttel



Zerstörer Georg Thiele

Kiellegung:

24.10.1934

Stapellauf:

18.08.1935

Indienst-
stellung:

27.02.1937

Ende:

13.04.1940
(auf Grund gesetzt)

Verdrängung:

2.200 ts

Größe:

119 m x 11 m

Besatzung:

325 Mann

Nach Kriegsbeginn bewachte die Georg Thiele zunächst die Ostsee-
zugänge, anschließend diente sie im Vorposten-
dienst in der Nordsee. Ein Maschinenschaden zwang Ende 1939 zu Reperatur- und Umbauarbeiten.

Im April 1940, kurz nach Beendigung der Werft-
arbeiten, nahm der Zerstörer an der Besetzung Norwegens teil. Bei der darauf folgenden Schlacht um Narvik wurde er, nach dem er seine Munition verschossen hatte, auf Grund gesetzt und gesprengt.

Zerstörer Georg Thiele

Helmut Baltz wurde am 24. Januar 1917 in Bad Schmiedeberg, einer sächsischen Kleinstadt, gelegen in der Dübener Heide zwischen den Flüssen Mulde und Elbe, geboren. Er wuchs in einer Fleischerfamile auf. Nach der Schulzeit entschloss sich der Achtzehnjährige, wie später auch sein jüngerer Bruder, zur Marine zu gehen und meldete sich freiwillig. 1935 wurde er in die Grundausbildung eingezogen und anschließend zum Funker ausgebildet. Sein erstes Bordkommando führte ihn auf das alte Torpedoboot G7, einem Veteran der Kaiserlichen Marine und als solcher Teilnehmer an der Doggerbank- und Skagerrak-Schlacht. Dieses Boot war nach dem Krieg in die Reichsmarine übernommen worden und erfüllte nun seine Aufgabe als Schulboot. Aus der Besatzung von G7 wurde 1937 der Stamm für den neuen Zerstörer Georg Thiele gebildet. Bei diesem Schiffsneubau handelte es sich um den zweiten Zerstörer der Zerstörer-1934-Baureihe, den ersten deutschen Nachkriegszerstörern überhaupt. Bei den Deutschen Werken in Kiel, stieß Helmut Baltz zu dem Schiffsneubau. Er war einer der Funker an Bord. Mit seinem Funkerkameraden Hinrich Gatermann verband ihn bald eine enge Freundschaft, weit über den Dienst hinaus. Helmut Baltz erhielt an Bord den Spitznamen „Homer“. Als der Krieg ausbrach, fuhr er bereits in seinem dritten Jahr auf der Georg Thiele und war mittlerweile zum Funkhauptgefreiten befördert worden. Zu jener Zeit befand sich sein Zerstörer als Teil der 1. Zerstörer-Flotille unter dem Oberbefehl des Führers der Torpedoboote, Konteradmiral Lütjens. In den ersten Kriegstagen nahm das Schiff an mehreren Minenunternehmen zur Verlegung der so genannten Westwallsperre teil.

Hinrich Gatermann und Helmut Baltz Die Georg Thiele lief am 7. April 1940 als Teil der Kriegsschiffgruppe 1 zum Unternehmen „Weserübung“ aus. Die Gruppe bestand aus insgesamt zehn Zerstörern und hatte das Ziel, die norwegische Hafen- und Erzstadt Narvik einzunehmen. An Bord befand sich die komplette 3. Gebirgsdivision von Generalleutnant Dietl. 200 Mann auf jedem Zerstörer samt Waffen und Gerät. Die Überfahrt wurde von einem schweren Unwetter begleitet. Bei Windstärke 6 rollte die See von achtern auf und verursachte heftiges gieren bei den Zerstörern. Auf der Georg Thiele zwang der Ausfall der Backbord-Hauptkühlwasserpumpe zeitweise zu einer Fahrtminderung. Mit Bordmitteln konnte der Schaden jedoch einigermaßen behoben werden. Am Abend des 8. April erreichte der Verband schließlich die norwegische Küste, wo sich die See endlich beruhigte.

Die Einnahme Narviks am nächsten Tag verlief relativ reibungslos. Einzig zwei norwegische Küstenpanzerschiffe setzten sich gegen die Invasoren zur Wehr und wurden daraufhin versenkt. Danach landete die Georg Thiele ihre Gebirgsjäger an der Erzpier des Narviker Hafens. Am Morgen des darauf folgenden Tages, dem 10. April, gelang der britischen 2nd Destroyer-Flotilla, bestehend aus fünf H-Klasse-Zerstörern, der überraschende Feuerüberfall auf die völlig unvorbereiteten deutschen Zerstörer im Hafen von Narvik. Das deutsche Führerboot Wilhelm Heidekamp, mit dem Kommodore Bonte und seinem Stab an Bord, war ihr erstes Opfer. Kurz darauf sank auch die Anton Schmitt. Doch nicht alle deutschen Zerstörer lagen im Hafen von Narvik. Aus den Fjordarmen eilten nun die anderen Zerstörer herbei, um in das Gefecht einzugreifen. Die Zerstörer Georg Thiele und Bernd von Arnim verlegten den Fjordeingang, um den zurückweichenden Briten den Rückweg zu verstellen. Sie vereinten ihr Feuer auf das britische Führungsschiff HMS Hardy, welches brennend auf einen Fjord aufsetzte. Ein weiterer Zerstörer sank in der Mitte des Fjords. Die anderen britischen Zerstörer entkamen beschädigt in einem Schneesturm, wobei es der Georg Thiele gelang noch einen Torpedotreffer anzubringen. Doch auch sie war schwer getroffen. Ohne ausreichend Treibstoff und Munition war das Schicksal der Zerstörer in Narvik besiegelt. Ein Ausbruchversuch scheiterte zudem an der Sicherung schwerer britischer Seestreitkräfte am Fjordausgang.

Die aufgesetzte Georg Thiele Am 13. April folgte der nächste Angriff der Royal Navy, dieses Mal mit neun Zerstörern und der Unterstützung durch das Schlachtschiff HMS Warspite. Nach und nach wurden die deutschen Zerstörer in die äußersten Fjorde gedrängt und vernichtet. So auch die Georg Thiele. Mit ihrem letzten Torpedo hatte sie noch einen schweren Treffer auf dem nachsetzenden Zerstörer HMS Eskimo erzielt, dem das komplette Vorschiff abriss. Nachdem die Georg Thiele nun aber ihre letzte Munition verschossen hatte, befand sie sich in einer aussichtslosen Lage. Der Kommandant entschloss sich, das Schiff aufzugeben. Um die Besatzung zu retten, fuhr er mit voller Fahrt auf die Uferböschung. Gleichzeitig wurde die Selbstversenkung eingeleitet. Während die Besatzung das Schiff verließ, ging der Beschuss weiter. Die Georg Thiele stand nun über das ganze Boot verteilt in Flammen. 27 Besatzungsmitglieder starben. Die Überlebenden, unter ihnen Helmut Baltz, retteten sich über den Berghang zur Bahnstation Rombak und folgten der Bahnlinie der Erzbahn in das Björnefell, wo sie sich den Gebirgstruppen des Generalleutnant Dietl anschlossen. In der Nacht brach das Wrack der Georg Thiele in zwei Teile, während das Heck in die Tiefen des Fjordes rutschte, verfing sich der Bug halb verdreht nach oben ragend in einem Felsen. Noch heute liegt er, inzwischen stark verrostet und leicht abrutschend, in dieser Stellung, als ein Mahnmal der Schlacht. Alle acht verbliebenen deutschen Zerstörer waren in der Schlacht vernichtet worden. Für die rund 2.500 Mann Besatzung ging der Kampf jedoch weiter. Sie schlossen sich den Gebirgstruppen an. Abgeschnitten von jeglicher Versorgung waren sie auf sich gestellt.

Am 14. April landete ein 24.500 Mann starkes alliiertes Expeditionskorps bei Harstadt, nördlich von Narvik. Neben britischen Kräften kämpften auch französische und exilpolnische Einheiten in dem Korps. Generalleutnant Dietl, mit etwa 4.500 Mann deutlich unterlegen, erhielt den Befehl, Narvik zu halten. Am 24. April begannen zunächst norwegische Truppen mit dem Angriff auf die deutschen Truppen. Diese hatten sich bereits zuvor teilweise in den Bergen verschanzt. Das völlig zerstörte Stadtgebiet Narviks wurde vier Tage später, nach zähen Kämpfen geräumt und der Rückzug in das gebirgige Hinterland Narviks begann. Dort gelang es den deutschen Truppen zumindest die Erzbahn gegen die in alpinem Gelände unerfahrenen alliierten Truppen zu halten. Mit dem am 10. Mai 1940 beginnenden Westfeldzug der Wehrmacht änderte sich auch die Lage in Narvik. Am 24. Mai wurden die alliierten Streitkräfte zur Verstärkung der Truppen in Frankreich abgezogen. Zu diesem Zeitpunkt war es nur noch eine Frage der Zeit, ehe die deutschen Truppen kapituliert hätten.

Heimkehr der Georg Thiele Besatzung

















* Das neue Kommando hätte einen baldigen Urlaub nicht zugelassen.

Helmut Baltz, der diese Kämpfe mitgemacht hatte, wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. In einem Zeitungsartikel heißt es: „Mit dem E.K. II wurde der Funkhauptgefreite Helmut Baltz ausgezeichnet. Bei den Kämpfen um Narvik hat er sich diese Auszeichnung durch seine hervorragende Einsatzbereitschaft verdient. Wir gratulieren ihm herzlichst.“ Ebenfalls wurden ihm für seinen Einsatz in Norwegen das Narvikschild und das Zerstörerabzeichen verliehen. Nun, nach der Rückeroberung Narviks und der wiederhergestellten Verbindung nach Außen, kam Helmut Baltz zurück nach Deutschland, wo die heimkehrenden Soldaten mit großer Begeisterung empfangen wurden. Helmut Baltz besuchte nun einen Maatenlehrgang und wurde nach Bestehen des Lehrgangs zum Funkmaaten befördert. Seine anschließende Versetzung auf die Bismarck basierte auf einem ungewöhnlichen Zufall. Eigentlich war ein anderer Funker für die Bismarck vorgesehen, doch hatte dieser die Kommandierung vor seinem Vorgesetzten in die Finger bekommen und kurzer Hand seinen Namen durch den von Helmut Baltz ersetzt, da er selber bald heiraten wollte.* Die Sache flog jedoch später auf, nachdem Helmut Baltz bereits das neue Kommando auf der Bismarck angetreten hatte. Anstelle eines Wechsels wurde der besagte Funker strafversetzt und Helmut Baltz blieb auf der Bismarck, mit welcher er wenig später zum Unternehmen „Rheinübung“ auslief.

Helmut Baltz fiel am 27. Mai 1941 beim Untergang der Bismarck, er war 24 Jahre alt. Sein Funkerkamerad Hinrich Gatermann von der Georg Thiele erfuhr erst Jahre später vom Tod des Freundes. Zwar hatte er von der Kommandierung gewusst, doch nie Gewissheit über den Tod des Freundes gehabt, bis er 1997 durch Zufall einen neuen Nachbarn aus Bad Schmiedeberg, dem Geburtsort Helmut Baltz, traf. Beim Anblick der Todesanzeige standen ihm Tränen in den Augen, nun hatte er doch noch die Gewissheit über den Tod des Freundes erhalten.

Bildergalerie – Helmut Baltz auf der Bismarck

Kaiser-Wilhelm-Kanal Fahrt in die Ostsee Todesanzeige

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