Schlachtschiff Bismarck | Das wahre Gesicht eines Schiffes
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  Jörn Jaap  
  Jörn Jaap

Fähnrich z.S.

Jörn Jaap

* 20.11.1920 in Berlin – † 27.5.1941

Fähnrich z.S.  
Jörn Jaap Deutschland 1920

Deutschland (1920)

Quelle:

Crewbuch Crew X/39

Jörn Jaap wurde am 20. November 1920 in Berlin geboren. Nach seinem Abitur entschloss er sich der Kriegsmarine als Offiziersanwärter beizutreten. Mitte September 1939 erfolgte seine Einberufung zur 7. Schiffsstammabteilung nach Stralsund, wo die Grundausbildung begann. Zweieinhalb Monate später wurde er auf eines der Schulschiffe kommandiert. Nach fast einem halben Jahr an Bord stand dann der Fähnrichslehrgang an der Marineschule Mürwik an. Im Schulunterricht erlernte Jörn Jaap hier im Kreise seiner Crewkameraden die theoretischen Grundlagen des Offiziershandwerks, wie die Navigation und Taktik oder auch das Verhalten als Vorgesetzter. In einer Hauptprüfung wurde das erlernte Wissen gegen Ende des Lehrgangs abgefragt. Jörn Jaap bestand die Prüfung und wurde zum Fähnrich z.S. befördert. Anschließend ging es für ihn in ein Landkommando innerhalb der Truppe, wo er seine bisher erworbenen Kenntnisse in der Praxis anwenden und neue Erfahrungen sammeln sollte. Es folgte noch ein Fachlehrgang, ehe der junge Fähnrich am 1. Februar 1941 auf das Schlachtschiff Bismarck kommandiert wurde. Über ein Erlebnis aus seiner Zeit an Bord schrieb er für die Crewzeitschrift: „An einem herrlichen Nachmittag, wir lagen irgendwo an der Pier, wurden wir plötzlich aus unserer behaglichen Ruhe gestört. Es ging das Gerücht, dass 180 Flak-Fähnriche unser schönes Schiff besichtigen wollten. Wir als See- und Ing.-Fähnriche waren zur Führung ausersehen. Die Zahl 180 schien uns zwar übertrieben, aber schließlich gaben wir uns damit zufrieden, zumal wir auf unserem Schiff gewohnt waren, mit abnormen Zahlen zu rechnen.






1 Jörn Jaap spielt auf die Aufschlagsbeobachtung beim Artillerieschießen an.


2 Mit den Kameraden der Luftwaffe erlaubte sich Jörn Jaap ein paar Späße.

Sie kamen. Ein endlos scheinender Zug Neugieriger wälzte sich das Fallreep empor und bildete ‚unorganisierte‘ Haufen an Deck. Wir baten unsere Kameraden, sich zwecks besserer Einteilung zu formieren, was sie auch einsahen und militärische Formation einnahmen. Jeder von uns bekam 10 Fähnriche in die Hand gedrückt. Schon am Anfang musste man eine Fülle von Fragen über sich ergehen lassen. Die meisten Fragen lagen fraglich und konnten zum Teil nicht mehr beobachtet werden.1 Uns bot sich das Schauspiel, dass Wissensdurst und -drang das eigene Wissen gering erscheinen lassen. Im 38 cm Turm, der großen Eindruck machte, wurde die Frage aufgeworfen, ob ein 38er auch einen Rücklauf hätte. Selbstverständlich verneinten wir diese Frage, da sich ja bekanntlich das Kaliber zum Rücklauf umgekehrt proportional verhält, d.h. je größer das Kaliber, um so kleiner der Rücklauf ist.2

Nachdem wir vermittels ‚Treppen‘ durch die verschiedenen ‚Stockwerke‘ zum vorderen Stand vorgedrungen waren, wurde naturgemäß die Dicke des Panzers bewundert. Einige, die nicht an die Stärke des Panzers glaubten, klopften mit ihrem Knöchel an und waren verwundert, dass man im Stand davon nichts hörte. Nun war auch der Letzte überzeugt.


3 OKM = Oberkommando der Kriegsmarine

Es ging weiter hinauf. Einige murrten, und die Frage erhob sich, warum auf einem so modernen Schiff kein Fahrstuhl wäre. Wir waren von diesem Vorschlag ganz begeistert und wollten ihn persönlich beim OKM3 vorschlagen. Von dort ging es nun mit minderer Fallgeschwindigkeit in die Maschine. Der Gegensatz war zu groß. Einer von ihnen stellte die Frage, ob wir schon ganz unten wären, da man schon das Seewasser sehen könne. Die Ing.-Fähnriche erklärten dann mit verzeihendem Lächeln, dass es sich um sogenanntes Bilgenwasser handele. Die Frage an sich ist ja nicht so unberechtigt, da ja bekannt ist, dass unsere modernen Schiffe keinen Boden haben, sondern nur durch Luftdruck das Wasser am Eindringen in den Schiffskörper gehindert wird.

4 B.d.W. = Bootsmannsmaat der Wache

Die Zeit war um. Die Fähnriche gingen zur Wache. Als Zugabe sozusagen erlebten sie noch eine Urlaubsmusterung eines Fähnrichs als B.d.W..4 Erschreckt weiteten sich ihre Augen, als Ausdrücke wie ‚verlaust‘, ‚vergammelt‘, ‚Hauen Sie ab!‘ in hellem Ton zu ihnen herüberdrangen und ein Soldat nach dem anderen das Feld räumen musste. Der Läufer Deck, der in Ausübung seines Amtes mit einem Piassavabesen das Wachgelände säuberte, hüllte mit dem aufgewirbelten Staub unsere Gäste in eine große Wolke, so dass man sich nur noch akustisch bemerkbar machen konnte.Der Abschied kam, und von den Lippen manch eines Luftwaffen-Fähnrichs kam der Stoßseufzer: ‚Gott sei Dank, dass ich nicht bei der Marine bin.‘ Dieser Seufzer ließ uns die Brust vor Stolz anschwellen.

Vier Monate nach seiner Kommandierung lief Jörn Jaap mit der Bismarck aus. Er überlebte den Untergang des Schiffes nicht und starb am 27. Mai 1941 im Alter von 20 Jahren.

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Lese-Tipp

Die Geschichte des Fähnrich z.S. Jörn Jaap können Sie in unserem neuen Buch "Schlachtschiff Bismarck – Das wahre Gesicht eines Schiffes" Teil 1.1 ab der Seite 235 nachlesen.

 
 
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