Schlachtschiff Bismarck | Das wahre Gesicht eines Schiffes
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Oberbootsmannsmaat

Gerhard Oesper

Seezielartillerie

* 4.1.1916 in Blatterndorf (Thüringen) – † 27.5.1941

Oberbootsmannsmaat  
Gerhard Oesper Deutschland 1916

Deutschland (1916)

Quelle:

Dieter und Heiko Luther / Effelder

Isolde Katzmarzik geb. Stegner (Cousine) / Weinheim

Hedi Roschlau (Tochter des Cousins) / Sonneberg / Hönbach




Leichter Kreuzer Königsberg

Kiellegung:

12.04.1926

Stapellauf:

26.03.1927

Indienst-
stellung:

17.04.1929

Ende:

10.04.1940 (versenkt)

Verdrängung:

6.700 ts

Größe:

174 x 15 m

Besatzung:

850 Mann

Die Königsberg gehörte bis 1936 den Aufklärungsstreit-
kräften als Verbands-
führungsschiff an. Anschließend diente sie der Schiffsartillerieschule als Schulkreuzer und patrouillierte in spanischen Gewässern während des Bürgerkrieges. Nach Kriegsbeginn kehrte die Königsberg zu den Aufklärungskräften zurück, verlegte Minensperren und fuhr Geleitschutz. Bei der Besetzung Norwegens wurde sie in Bergen von britischen Sturzkampf-
bombern versenkt.

Leichter Kreuzer Königsberg

Gerhard Oesper wurde am 4. Januar 1916 in der thüringischen Gemeinde Blatterndorf bei Sonneberg geboren. Er war der einzige Sohn von Ferdinand und Klara Oesper. Auf dem elterlichen Bauernhof in Unterlind, bei Sonneberg am Südhang des Thüringer Waldes nahe der Landesgrenze zu Bayern, wuchs er zusammen mit seiner Cousine auf. Seine Eltern verdienten ihren Unterhalt als Landwirte, wodurch der Sohn in den schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahren keinen Hunger leiden musste. Schon von klein auf war er in die landwirtschaftliche Arbeit eingebunden. Später sollte er in die Fußstapfen seiner Eltern treten und den Hof übernehmen und so besuchte er nach seinem Volksschulabschluss die Landwirtschaftsschule in Sonnenberg. Er war ein guter Schüler und erreichte auch hier seinen Abschluss. In seiner Freizeit musizierte er gerne und konnte sich mit fortschreitendem Alter auch immer mehr für das Tanzen begeistern. Seine Cousine Isolde, mit der er zusammen groß wurde und die für ihn mehr wie eine Schwester war, beschreibt ihn als einen „vertrauenswerten, korrekten und liebenswerten jungen Mann“.

Die Familie Oesper mit Mutter Klara, Vater Ferdinand und dem jungen Gerhard Oesper aufgenommen kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges Bereits als Kind war er in die Marine-Hitlerjugend eingetreten, diese hatte sein Interesse an der Seefahrt geweckt und so entschloss sich Gerhard Oesper schließlich später selber zur Marine zu gehen und dort Karriere zu machen. Seine Eltern waren mit der Berufswahl nicht einverstanden, doch ihr Sohn setzte seinen Willen durch und meldete sich 1935 mit 19 Jahren freiwillig. Seine Bewerbung hatte Erfolg und da er nicht zum Reichsarbeitsdienst eingezogen wurde, konnte er noch im Sommer desselben Jahres seinen Dienst bei der Kriegsmarine antreten. Gerhard Oesper nahm Abschied von seiner Familie und fuhr mit der Eisenbahn etwa 550 km nordwärts seinem Ziel entgegen. Bei der 2. Kompanie der III. Marineartillerieabteilung in Swinemünde begann für den Neunzehnjährigen die Grundausbildung. Zur Vereidigung konnten seine Eltern nicht anreisen, er berichtete ihnen aber in Briefen, dass er mit seiner Entscheidung zur Marine zu gehen sehr zufrieden sei.

Nach drei Monaten Grundausbildung folgte seine erste Kommandierung an Bord eines Kriegsschiffes. Auf dem Leichten Kreuzer Königsberg, welcher als Schulkreuzer der Schiffsartillerieschule angehörte, erlebte Gerhard Oesper sein erstes Bordkommando. Er gehörte als Teil des seemännischen Personals zur 1. Division und hatte seine Gefechtsstation vermutlich in einem der drei 15 cm Türme der Hauptartillerie. Mit der Königsberg unternahm er mehrere Fahrten durch die Nord- und Ostsee. Die Übungsreisen führten ihn dabei auch ins Ausland, so z.B. für acht Tage nach Norwegen. Auf der Königsberg erlebte Gerhard Oesper seinen ersten Kriegseinsatz als der Kreuzer im November 1936, wenige Monate nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges, zur Küstenüberwachung in Richtung Mittelmeer auslief. Der Einsatz sollte ganze 50 Tage dauern, so dass die Besatzung das Weihnachtsfest und Neujahr an Bord feiern mussten. Während des Einsatzes wurden mehrere spanische Häfen angelaufen, zu ernsthaften Zwischenfällen mit den Bürgerkriegsparteien kam es jedoch nicht, zumal ein internationales Abkommen ein friedliches und neutrales Vorgehen vorschrieb.

Bildergalerie – Kreuzer Königsberg

Gerhard Oesper (rechts) 1935 als Rekrut in Swinemünde Gerhard Oesper (mitte) zusammen mit Kameraden an der Schiffsglocke des Kreuzers Königsberg Die angetretene Ehrenwache der Königsberg Kommandant und Offiziere der Königsberg auf der Brücke Salve des vorderen Turms der Königsberg Katapultstart einer Heinkel He 60 Gerhard Oesper (2. von links) mit Kameraden unter dem vorderen Turm Gerhard Oesper (2. von links) mit Marinekameraden am Bahnhof

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1 Der Dienstgrad Stabsmatrose wurde später in Matrosenobergefreiter umbenannt

Während seiner Dienstzeit an Bord des Kreuzers verbrachte Gerhard Oesper mindestens einen Urlaub daheim bei seiner Familie. Ganze zweieinhalb Jahre war er an Bord der Königsberg und wurde in dieser Zeit vom Matrosen zum Obermatrosen und schließlich zum Stabsmatrosen1 befördert. Da er sich im Dienst bewährt hatte wurde er gegen Ende seiner Dienstzeit an Bord des Kreuzers zum Bootsmannsmaatenanwärter vorgeschlagen und ausgewählt. Im April 1938 folgte ein Lehrgang, welcher den Zweiundzwanzigjährigen für zweieinhalb Monate auf das Segelschulschiff Gorch Fock führte. An Bord wurden sowohl Offiziers-, als auch Unteroffiziersanwärter mit dem ursprünglichen Segelhandwerk vertraut gemacht. Dabei segelten die Lehrgangsteilnehmer ihre Drei-Mast-Bark bis nach Norwegen in den malerischen Hardangerfjord südlich der Stadt Bergen, von welchem aus Gerhard Oesper seiner Familie zu Hause eine kurze Grußkarte schrieb. Das Segeln verlangte viel von den jungen Männern ab, brachte ihnen aber auch wertvolle Erfahrungen und Erlebnisse.

Gerhard Oesper während der Unteroffiziersausbildung Nach Abschluss des Lehrgangs erwartete Gerhard Oesper in Kiel bereits der nächste Lehrgang. Hierbei handelte es sich um einen viermonatigen Fachlehrgang zum Geschützführer für Seezielartilleriegeschütze mit Turmlafette, welchen er ab Mitte Juni 1938 an der Schiffsartillerieschule in Kiel-Wik absolvierte. In Theorie wie Praxis wurde der hochkomplexe Aufbau der Geschütztürme von den Lehrgangsteilnehmern bis ins Detail studiert und die Abläufe und Bedienung geübt. „Habe unheimlich zu lernen“ beklagte sich Gerhard Oesper wenige Tage nach Beginn des Lehrgangs bei seinen Verwandten zu Hause, sonst sei aber noch alles „all right“. Nach bestandenem Lehrgang folgte Ende Oktober 1938 der allgemeine Unteroffizierslehrgang an der Marineunteroffizierslehrabteilung Kiel-Friedrichsort. Auch diesen absolvierte er erfolgreich und wurde schließlich am 1. April 1939 zum Bootsmannsmaaten befördert.

Sein erstes Kommando als Maat führte Gerhard Oesper an die 5. Schiffsstammabteilung nach Eckernförde, wo er nunmehr als Ausbilder tätig war. Zuvor fuhr er aber in den Heimaturlaub und nutzte die Gelegenheit um sich mit seiner Freundin Gerdi zu verloben. Zurück in der Eckernförder Kaserne schrieb er seiner Cousine am 13. April 1938: „Bin wieder glücklich hier angekommen. Zur Zeit sind die Rekruteneinstellungen Gerhard Oesper Anfang 1939 mit seiner Verlobten Gertrud Ehmke und dann geht es mit der Ausbildung los. Eingelebt habe ich mich sofort wieder. Grüße bitte deine Eltern und Tante Hilda recht herzlich von mir. Herzlichst Dein Gerhard.“ Als Gruppenführer bildete Gerhard Oesper nun eine Gruppe Rekruten aus der 1. Kompanie aus. Unter seinen Rekruten war er der Kleinste. Marschieren und Exerzieren, Schiessen und Unterricht standen unter anderem auf dem Dienstplan, welchen er als Vorgesetzter mit seiner Gruppe umzusetzen hatte. Aber auch an geselligen Veranstaltungen außerhalb des Dienstes nahm er gern teil.

Bildergalerie – Als Ausbilder an der 5. Schiffsstammabteilung

Gerhard Oesper bei einem Spaziergang mit seinen Rekruten Gerhard Oesper bei einem Kameradschaftsabend mit seinen Rekruten auf der Stube Gerhard Oesper beim Dienstunterricht Exerzieren der Gruppe von Gerhard Oesper Gerhard Oesper mit seiner Cousine Isolde Stegner

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Mit dem Schlachtschiff Bismarck folgte für Gerhard Oesper am 3. September 1940 wieder ein Bordkommando. Als Teil des seemännischen Personals versah er seinen Dienst an Bord bei der Seezielartillerie. Noch kurz vor dem Auslaufen im Mai 1941 wurde er zum Oberbootsmannsmaaten befördert.

Gerhard Oesper überlebte den Untergang des Schiffes nicht. Er fiel am 27. Mai 1941 im Alter von 25 Jahren. Seine Familie daheim erfuhr über den Rundfunk vom Untergang der Bismarck. Entsetzt nahm sie einige Zeit später die Vermisstenmeldung entgegen – ihr Sohn, Enkel, Neffe und Bräutigam hatte nicht überlebt. In einer familiären Andachtsfeier nahmen sie Abschied von Gerhard Oesper. Vergessen haben sie ihn nie. In einer kleinen Zigarrenkiste überdauerten die wenigen noch vorhanden Fotos die Zeit. Heiko Luther berichtet über den Umgang mit der Vergangenheit: „Die Beschäftigung mit der Geschichte von Gerhard Oesper ist sehr emotional und hat auch mich sehr beschäftigt und zum Nachdenken gebracht. Gerhard Oesper wird plötzlich wieder lebendig und ist nicht vergessen. Man hört von den Tausenden von Toten der Bismarck und den vielen Gefallenen des Krieges auf beiden Seiten die sinnlos ihr junges Leben haben opfern müssen aber man kann sich nichts unter der bloßen Zahlenangabe vorstellen. Aber alle hatten ein Gesicht, eine Familie und eine Mutter. Eine Mutter die ihr Leben lang auf die Rückkehr ihres Sohnes gewartet hat, wie alle Mütter. Es bleibt sehr anrührend. Besonders wenn man die Fotos sieht. Man sieht einen freundlich lachenden jungen Mann in der Matrosenuniform der Kriegsmarine, einen jungen Mann während der Ausbildung auf der Unteroffiziersschule, auf Urlaub daheim, einen jungen Mann der doch keine Zukunft hatte und der einen schrecklichen Tod für ‚Führer und Vaterland‘ fand. Sein Schicksal mahnt uns heute. Es darf sich nicht wiederholen.

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Lese-Tipp

Die Geschichte des Oberbootsmannsmaat Gerhard Oesper können Sie in unserem neuen Buch "Schlachtschiff Bismarck – Das wahre Gesicht eines Schiffes" Teil 1.1 ab der Seite 319 nachlesen.

 
 
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