Schlachtschiff Bismarck | Das wahre Gesicht eines Schiffes
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  Herbert Jahn  
  Herbert Jahn

Maschinengefreiter

Herbert Jahn

Fahrstand Turbinenraum Mitte, Brandabwehr, 12. Division

* 14.3.1920 in Nünchritz (Kgr. Sachsen) – † 29.6.2000

Maschinengefreiter  
Gerhard Gränitz Deutschland 1920

Deutschland (1920)

Quellen:

Margarethe Jahn (Witwe) / Siegen

Fred Zarm / Dormagen


* MES = Magnetischer Eigenschutz – hierbei handelte es sich um eine Schutzmaßnahme gegen Seeminen. Durch um das Schiff geführte, stromge-
speiste Kabelwindungen („Schleife“) wurde das magnetische Feld des Schiffes verkleinert und so die Gefährdungstiefe durch Minen mit Magnetzündung herabgesetzt.

** GHG = Gruppenhorch-
gerät

Herbert Jahn, 1920 in der sächsischen Gemeinde Nünchritz bei Meißen geboren, erlernte nach der Schulzeit den Beruf des Spitzendrehers. Die Marinezeit begann für ihn in Kiel, wo man ihn erst zum Funker schulen wollte. Vorgeprägt durch seinen Beruf, schlug er jedoch die Maschinenlaufbahn ein. Als die Zeit kam, ein Bordkommando zu bekommen, hatte er die Wahl zwischen dem Flugzeugträger Graf Zeppelin und dem Schlachtschiff Bismarck. Damals kursierten bereits Gerüchte über eine eventuelle „Todesgeburt“ der Graf Zeppelin und so entschied er sich für die Bismarck.

In Hamburg bei der Werft Blohm & Voss tratt Herbert Jahn 1940 dann sein neues Kommando an. Zu diesem Zeitpunkt lag die Bismarck noch in der Ausrüstungsphase und die Geschütztürme waren noch nicht eingebaut. Anschließend durchlief er die gesamte Baubelehrung und lernte das Schiff von oben bis unten kennen, lernte wo Rohre verlaufen und Ventile liegen und vieles andere mehr. Mit diesem Wissen konnte er später selber nachfolgende Besatzungsangehörige in die Maschinenanlage und -räume einweisen. Während der Baubelehrung musste er auch Verwaltungsaufgaben, wie Kopierarbeiten und ähnliches bei der Bauwerft übernehmen. Hierzu wurde er zur Geheimhaltung verpflichtet. Nach der Indienststellung bezog er dann eines der Wohndecks an Bord. Seine Gefechtsstation wurde der Fahrstand des Turbinenraum Mitte. Mit dem Ende der Baubelehrung begann nun das Einfahren des Schiffes und die Ausbildung des Maschinenpersonals im Maschinengefechtsdienst. Auch das Arbeiten in wechselnden Wachen – Herbert Jahn gehörte der 12. Division an – zählte dazu. Besonders beeindruckte ihn der Anblick des Rumpfes, als die Bismarck gedockt lag und das Schiff sich in voller Größe präsentierte. Nun konnte er auch einige Details, wie die erhaben verlaufende MES-Schleife* oder die Mikrofongruppen des GHG** erkennen.

Die traurigste Erinnerung an seine Bordzeit auf der Bismarck war natürlich die an den Untergang am 27. Mai 1941 und an einen dabei verlorenen Freund. Herbert Jahn erzählte: „Dieser hatte beide Beine verloren und gebettelt und gebettelt, wir sollten ihn erlösen und ins Wasser werfen. Dieses haben wir dann doch getan, weil keiner von uns dachte dieses Inferno zu überleben und davonzukommen.“ In einem Brief berichtete er weiter über den Untergang und seine Rettung: „Habe vor Verlassen des Schiffes auf Befehl den Doppelboden und Kühlwasseraustritt mit sprengen müssen. Detonation war erst als ich den Raum verlassen hatte. Gelang auf Umwegen in das Batteriedeck Abteilung V-VI nach III-IV. Konnte mit Hilfe anderer Kameraden das Steuerbord-Luk zum Oberdeck öffnen. Nach mir kamen noch ca. 10-12 Kameraden heraus. Der Anblick auf Oberdeck hinten war düst. Das Achterschiff war bereits mit Backbordschlagseite mit Turm Dora unter Wasser. Ein 38 cm Rohr von Turm Cäsar war abgesprengt. Blick nach vorn nur Brand und Qualm. In den nächsten Sekunden wurde ich von Bord gespült. Auf einer Woge seh ich das Schiff kentern nach Backbord hinten in die Tiefe. ca. 250-300 Seeleute waren im Wasser und wurden von der Dorsetshire (englischer schwerer Kreuzer) aufgenommen. Das war meine Rettung“

Sein „zweites Leben“ verdankte er dem englischen Kreuzer HMS Dorsetshire, der einen Großteil der 116 Überlebenden aus dem öligen Wasser fischte. Auf dem fast schon berühmten Foto der Rettungsaktion ist Herbert Jahn zu erkennen. Mit seinem akkuraten Rechtsscheitel. Mit der Rettung begann nun die Kriegsgefangenschaft. Nach einer kurzen Zeit in England, gelangte Herbert Jahn dann nach Kanada. Hier verbrachte er die nächsten Jahre. Als Holzfäller verdiente er dort einen Dollar am Tag. Während dieser Zeit in Gefangenschaft fertigte er ein filigranes Modell des Schlachtschiff Bismarck im ungefähren Maßstab 1:500. Es entstand rein aus dem Gedächtnis und selbst erstellten Skizzen. Hauptwerkstoff war Holz. Sogar seine eigenen Haare verwendete er für Antennen, Verspannungen und ähnliches. Bei seiner Entlassung aus der Gefangenschaft durfte er das Modell jedoch nicht mitnehmen. Doch hatte er Glück, das Rote Kreuz hat ihm das Modell etwa zwei Jahre nach seiner Entlassung nachgeschickt. Am Heck stärker beschädigt, mit gebrochenen Masten und ohne Flaggen gelangte es zu ihm.

Herbert Jahn mit seinem in Gefangenschaft aus der Erinnerung heraus gebauten Modell der Bismarck

Lese-Tipp

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Die Geschichte des Maschinengefreiten Herbert Jahn können Sie in unserem neuen Buch "Schlachtschiff Bismarck – Das wahre Gesicht eines Schiffes" Teil 3 ab der Seite 251 nachlesen.

Daneben erwarten Sie auf 436 Seiten die Geschichten etlicher weiterer "Heizer", wie das Maschinenpersonal im Marinejargon genannt wurde – schließlich stellten sie mit 620 Mann den mit Abstand zweitgrößten Abschnitt der Besatzung der Bismarck da. Auch die Maschinenanlage selbst wird ausführlich mit zahlreichen Zeichnungen und Bildern beschrieben.

 
 
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