Schlachtschiff Bismarck | Das wahre Gesicht eines Schiffes
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  Richard Rebhan  
  Richard Rebhan

Matrose II

Richard Rebhan

vermutlich Prisenkommando

* 22.6.1923 in Lindenau (Thüringen) – † 27.5.1941

Matrose II  
Richard Rebhan Deutschland 1923

Deutschland (1923)

Quellen:

Otto Rebhan (Bruder) / Seßlach

Dieter und Heiko Luther / Effelder

Richard Rebhan wurde am 22. Juni 1923 in dem südthüringischen Dorf Lindenau im Kreis Hildburghausen geboren. Er war einer der sechs Söhne von August und Anna Rebhan, die als Landwirte einen Hof in dem Dorf bewirtschafteten. Schon früh interessierte sich Richard Rebhan für Maschinen und Technik, auch bastelte er gerne und war ein guter Schüler. Wie damals üblich trat er dem Jungvolk bei und war später in der Hitlerjugend. Nach seinem Volksschulabschluss im Jahr 1937 begann er eine Lehre zum Maschinenschlosser in der Maschinenfabrik Fischer in Gemünda.

Konfirmation Im Jahr 1939 fanden während der Karwochen Wehrmachtsmanöver in der Nähe von Hildburghausen statt. Richard Rebhan, damals erst 15 Jahre alt, fand zusammen mit seinem Bruder Otto zurückgelassene Munition. Experimentierfreudig, wie die beiden Jungen zu jener Zeit waren, nahm Otto die Patrone in die Hand während Richard auf das Zündhütchen schlug. Dabei explodierte die Ladung und Otto verlor den Daumen der linken Hand. Vor lauter Angst versteckte sich Richard Rebhan darauf hin und traute sich nicht nach Hause. Trotz dieses folgenschweren Zwischenfalls verstanden sich die beiden Brüder sehr gut.

Nach seiner Gesellenprüfung plante Richard Rebhan der Handelsmarine beizutreten, die komplexe Technik auf Schiffen begeisterte ihn und so bewarb er sich noch während seiner Lehrzeit bei dieser. Der Vater war jedoch gegen die Zukunftspläne seines Sohnes, nach seinem Wunsch sollte er im Ort bleiben und dort arbeiten. Der Beginn des Krieges warf Richard Rebhans Pläne endgültig um, statt bei der Handelsmarine angenommen zu werden erfolgte die Einberufung in die Kriegsmarine. Bereits mit 16 Jahren sollte er eingezogen werden. Als der Vater das erfuhr wurde er sehr wütend und fuhr nach Meiningen zur lokalen Wehrverwaltung. Dort angekommen beschimpfte er die Beamten ob sie sich nicht schämen würden bereits Kinder einzuziehen. Er selbst hatte als Soldat im Ersten Weltkrieg die Schrecken des Krieges an der Ostfront hautnah erlebt und wollte seinen Sohn unbedingt vor dem gleichen Schicksal bewahren. Für den Vater blieb die Einmischung nicht ohne Folgen, die Behörden machten ihm Schwierigkeiten und forderten sogar seine Verhaftung, die nur durch persönlichen Einsatz des zuständigen Ortsgruppenleiters der NSDAP abgewendet werden konnte. Immerhin erreichte er, dass sein Sohn für ein paar Monate zurückgestellt wurde.

Richard Rebhan als Rekrut Im Spätsommer 1940, Richard Rebhan hatte kurz zuvor seinen siebzehnten Geburtstag gefeiert und seine Lehre noch nicht ganz beendet, war dann schließlich der Tag der Einberufung gekommen. Just an diesem Tag musste sein Bruder Otto die Enten rauslassen und hatte so keine Gelegenheit mehr sich von seinem Bruder zu verabschieden, was er bis heute zutiefst bedauert, denn es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass sich die Beiden sahen. Mit der Schmalspurbahn fuhr Richard Rebhan zunächst von dem Bahnhof seines Heimatortes Lindenau-Friedrichshall in die Kreisstadt Hildburghausen und dann weiter mit der Eisenbahn in Richtung Norddeutschland. An der 13. Schiffsstammabteilung in Saßnitz auf der Insel Rügen begann seine Ausbildung als Rekrut der Kriegsmarine. Kriegsbedingt war die Ausbildungszeit auf wenige Wochen verkürzt, so dass der ersten Einweisung in das Dasein eines Soldaten bald die Fachschulung an der Marineschule Wesermünde folgte. Richard Rebhans Interesse an der Technik und sein erlernter Beruf hatten ihn in die Maschinenlaufbahn gebracht. An der Marineschule Wesermünde absolvierte er im Frühjahr 1941 seinen ersten technischen Lehrgang, den Motorenlehrgang III, erfolgreich. Nach dessen Abschluss folgte für ihn das erste Bordkommando auf dem Schlachtschiff Bismarck. Richard Rebhan war mit seinen 17 Jahren einer der jüngsten Matrosen an Bord des Schiffes. Vermutlich gehörte er dem Prisenkommando an, welches im Falle der Aufbringung eines Handelsschiffes mit wertvoller Ladung dieses sicher in einen französischen Hafen einbringen sollte. Viel Zeit um sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen blieb ihm jedoch nicht, denn er lief bereits im Mai 1941 mit der Bismarck seiner ersten Feindfahrt entgegen, von welcher er nicht mehr zurückkehren sollte.

Richard Rebhan fiel am 27. Mai 1941 beim Untergang seines Schiffes, er wurde nur 17 Jahre alt. In seiner kurzen Dienstzeit von etwa einem 3/4 Jahr hatte er keinen einzigen Tag Urlaub genießen können und daher seine Familie seit seiner Einberufung nicht mehr gesehen. Mit Briefen hatte Richard Rebhan den Kontakt zu seiner Familie trotz knapper Freizeit stets Aufrecht erhalten, doch hatte er ihnen aus Geheimhaltungsgründen nicht mitteilen dürfen, dass er auf der Bismarck diente. Nur mit einem Trick gelang es ihm doch die stets zu befürchtende Zensur zu umgehen. Eines Tages schrieb er versteckt in den Falz eines Briefes an seinen ältesten Bruder Alfred das Wort Bismarck. Weder seine Familie noch sonst jemand bemerkte dies. Erst durch Hinweise in den darauf folgenden Briefen wurde die Familie auf das versteckte Wort aufmerksam und wusste so wo er war. Entsprechend niedergeschlagen war die Familie, als sie die Nachricht über den Untergang der Bismarck erfuhr. Über das Schicksal von Richard Rebhan blieb lange Ungewissheit, bis ein offizieller Brief des 2. Admirals der Ostseestation Wochen später traurige Gewissheit brachte. Richard Rebhan wurde für vermisst erklärt. In der Familie, die noch den Verlust zweier weiterer Söhne hinnehmen musste, herrschte große Trauer und Bestürzung. Richard Rebhan bleibt ihr bis heute unvergessen.

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