Schlachtschiff Bismarck | Das wahre Gesicht eines Schiffes
  Deutsch
  Erich Seifert  
  Erich Seifert

Maschinenobergefreiter

Erich Seifert

Maschinenanlage

* 13.9.1919 in Fraureuth (Thüringen) – † 27.5.1941

Maschinenobergefreiter  
Erich Seifert Deutschland 1919

Deutschland (1919)

Quellen:

Rolf Seifert (Neffe) / Fraureuth

„Schlachtschiff Bismarck – gesunken… gerettet… gefangen…“ – Josef Statz



Motorenlehrgang III

Motorenlehrgang III

Abzeichen für Sonderausbildung

Die rotgestickten Ärmel-
abzeichen für Sonder-
ausbildungen wurden von Unteroffizieren ohne Portepee (Maate) und Mannschaften unterhalb des Dienstgradabzeichens getragen.

Erich Seifert wurde am 13. September 1919 als viertes Kind von Paul und Selma Anna Seifert, in dem thüringischen Ort Fraureuth, geboren. Fraureuth zählte zu jener Zeit etwa 3.500 Einwohner und liegt wenige Kilometer westlich von Zwickau, in dem thüringischen Landkreis Greiz. Einen Monat nach seiner Geburt wurde Erich Seifert in der evangelischen Kirche des Ortes getauft. Ostern 1926 folgte die Einschulung. Acht Jahre lang besuchte er die örtliche Volksschule und machte dann zu Ostern 1934 seinen Abschluss. Noch am gleichen Tag wurde er konfirmiert. In der darauf folgenden Zeit erlernte Erich Seifert den Beruf des Maschinenschlossers.

Erich Seifert als Maschinengefreiter auf der Karlsruhe 1938 entschloss sich der mittlerweile achtzehnjährige Erich Seifert in die Kriegsmarine einzutreten und meldete sich freiwillig. Als tauglich gemustert, hatte er zuvor jedoch noch den Reichsarbeitsdienst abzuleisten. Nachdem er diesen Anfang 1939 hinter sich gebracht hatte, wurde er in die Kriegsmarine eingezogen. Auf die anfängliche Infanteristische Ausbildung folgte nach einigen Monaten die Fachausbildung. Erich Seifert war aufgrund seines technischen Lehrberufes in die Maschinenlaufbahn aufgenommen worden. Er absolvierte den Motorenlehrgang III und wurde dann gegen Ende des Jahres 1939 auf den Leichten Kreuzer Karlsruhe, seinem ersten Bordkommando, kommandiert. Mit der Karlsruhe nahm Erich Seifert Anfang April 1940 an dem Unternehmen Weserübung teil. Als Teil der Kriegsschiffgruppe 4 besetzte der Leichte Kreuzer ohne weiter Zwischenfälle Kristiansand. Bei der Rückfahrt wurde er jedoch von einem britischen U-Boot torpediert und begann langsam zu sinken. Da neben den Maschinen, der Elektrischen Anlage und der Ruderanlage auch noch die Lenzmittel ausfielen, musste die Karlsruhe schließlich aufgegeben werden. Die Besatzung ging ins Wasser und wurde von einem begleitenden Torpedoboot aufgenommen. Bevor Erich Seifert ins Wasser gesprungen war, hatte er sich noch seines Lederzeugs entledigt. Ein Entschluss, den er bald darauf bereuen sollte, spürte er doch sofort die empfindliche Kälte des Wassers und hatte er nicht noch Geld in der Tasche gehabt? Dies war nun, genau wie der komplette Inhalt seines Spindes, für immer verloren. Mit dem Torpedoboot erreichte die Besatzung sicher Deutschland.

Buchtipp:

Grundlage für die Rekonstruktion von Erich Seiferts letzten Minuten auf der Bismarck war das interessante Buch des Bismarck-Überlebenden Josef Statz.

In dem über 400 Seiten fassenden, bildreichen Werk befasst sich Josef Statz hauptsächlich mit der Kriegsgefangenschaft in England und Kanada, listet penibel gefangen-
genommene Besatzungen von U-Booten, Versor-
gungsschiffen und anderen Einheiten auf und berichtet vom Lagerleben als P.o.W.. Der Titel ist daher etwas irreführend, denn die Bismarck spielt eher eine Nebenrolle. Sehr lesenswert ist das Buch aber dennoch.

Autor:

Josef Statz

Titel:

„Schlachtschiff Bismarck – gesunken… gerettet… gefangen…“

ISBN:

3-929207-13-3

Erich Seifert mit seinem ältesten Bruder Wie der Großteil der Besatzung kam auch Erich Seifert nun zur Baubelehrung auf das neue Schlachtschiff Bismarck. Zunächst wohnte das Baubelehrungskommando auf Wohnschiffen. Sein späteres Wohndeck auf dem Schiff teilte sich Erich Seifert, der an Bord nur „Fietje“ genannt wurde, unter anderem mit vier weiteren Kameraden der Karlsruhe. Der später hinzugekommene Matrose II Josef Statz schöpfte gleich Vertrauen zu den erfahrenen Männern an seiner Seite. Er hielt sich besonders an Erich Seifert, der immer wieder gerne seine Erfahrungen mit der Karlsruhe in besonders eindringlicher Weise an die jüngeren Kameraden vermittelte: „Wenn ähnliches je mit der Bismarck passieren sollte, dann behaltet alle Klamotten an, vor allem das Lederzeug, und Geld in den Taschen!“ pflegte er dann zu warnen. An einem Besuchertag, kam Erich Seiferts ältester Bruder Kurt zu Besuch an Bord der Bismarck. Er diente ebenfalls als Soldat, gehörte jedoch dem Heer an.

Mit der Bismarck lief Erich Seifert dann im Mai 1941 zur Feindfahrt aus. An Bord erlebte er die dramatischen Wendungen der Unternehmung und litt unter der dauerhaften Einsatzbereitschaft und dem damit verbundenen Schlafmangel. Am Abend des 26. Mai besiegelte ein Torpedotreffer das Schicksal des Schiffes und seiner Besatzung. Die quälende Gewissheit des nahen Endes, in der Nacht vor dem letzten Gefecht, zerrte sehr an seinen Nerven. So erlebte der spätere Überlebende Josef Statz, der in seinem Freund „Fietje“ stets ein Vorbild gesehen hatte, am nächsten Morgen einen ziemlich neben sich stehenden Erich Seifert. Es war gegen 9:40 Uhr, die Bismarck stand nun bereits seit fast einer Stunde unter feindlichem Feuer und der Befehl zur Selbstversenkung war bereits vor Minuten ergangen, als plötzlich Erich Seifert und Heinz Moritz in der Leckwehrzentrale, der Gefechtsstation von Josef Statz, auftauchten. „Erich Seifert stand sprachlos in seinem T-Shirt da, keuchend und mit nackten Füßen.“ erinnerte sich Josef Statz. Die Strapazen der letzten Tage und der psychologische Druck des letzten Gefechtes waren einfach zu viel für ihn gewesen. Josef Statz wandte sich an Heinz Moritz und fragte, ob sie nicht in den von der Leckwehrzentrale bis in den Vorderen Stand führenden Verbindungsschacht klettern sollten. Doch auch dieser blieb stumm. Stattdessen stiegen die Beiden nun in den Schacht und begannen, gefolgt von Josef Statz, den mühseligen und langen Aufstieg nach oben. Am Ende des Schachtes war Licht zu sehen, obwohl dort eigentlich gar kein Licht zu sehen sein sollte, stand doch dort der Vordere Stand. Draußen tobte das Gefecht unvermindert weiter und war im Schacht als immer lauter werdendes Crescendo zu hören.

Erich Seifert als Maschinenobergefreiter Gerade waren Heinz Moritz und Erich Seifert aus dem Schacht heraus und Josef Statz auf halber Höhe hinaus, als eine Granate im Vorderen Stand explodierte. Alle drei wurden von ihr verwundet. Erich Seifert, der noch stehen konnte, zog seinen schwer verletzten Kameraden Heinz Moritz kriechend aus dem Vorderen Stand und legte ihn zusammen mit Josef Statz an dem vorderen Schanzkleid ab, wo er starb. Sie waren umgeben von schwersten Verwüstungen, hier im Bereich der Brücke, hatte der Feind sein Feuer massiert und besonders schwere Schäden angerichtet. Und noch immer schlugen die Granaten hier ein. Verzweifelt versuchte Erich Seifert den Einschlägen zu entkommen und einen Fluchtweg von der Brücke zu finden. Er lief umher und fand schließlich Backbord achtern eine Gelegenheit um auf den Resten des Kranauslegers herunter an Deck zu rutschen. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Während Josef Statz sich, dem früheren Rat seines Backskameraden folgend mit samt seinem anbehaltenen Lederzeug retten konnte, überlebte Erich Seifert den Untergang der Bismarck nicht. Er starb im Alter von 21 Jahren den Seemannstod. Da kein Augenzeuge seinen Tod bestätigen konnte, galt er noch lange Zeit nach dem Untergang, bis zum Ablaufen einer gesetzlichen Frist, als vermisst. Dieser Umstand ließ Erich Seiferts Mutter noch Jahre später auf die Rückkehr des Sohnes hoffen. Mit einem über dem Bild des Sohnes geschwungenen Pendel versuchte sie immer wieder heraus zu finden ob ihr jüngster Sohn noch am Leben sei oder nicht.

Lese-Tipp

Bestellen

Teil 3

Maschinenpersonal

Bordflieger und Zivilangestellte

Flottenstab, B-Dienstgruppe, Prisenkommando und Kriegsberichterstatter

>> Bestellen

Die Geschichte des Maschinenobergefreiten Erich Seifert können Sie in unserem neuen Buch "Schlachtschiff Bismarck – Das wahre Gesicht eines Schiffes" Teil 3 ab der Seite 329 nachlesen.

Daneben erwarten Sie auf 436 Seiten die Geschichten etlicher weiterer "Heizer", wie das Maschinenpersonal im Marinejargon genannt wurde – schließlich stellten sie mit 620 Mann den mit Abstand zweitgrößten Abschnitt der Besatzung der Bismarck da. Auch die Maschinenanlage selbst wird ausführlich mit zahlreichen Zeichnungen und Bildern beschrieben.

 
 
Bestellen Vormerken Bestellen Bestellen

Teil 1.1

Schiffsführung

Seemännisches Personal (Offiziere & Unteroffiziere)

Bestellen

Teil 1.2

Seemännisches Personal (Mannschaft)

Vormerken

Teil 2

Funktionäre und Sanitätspersonal

Artilleriemechaniker und Feuerwerker

Navigation, Nachrichtendienst
und Bordmusikzug

Bestellen

Teil 3

Maschinenpersonal

Bordflieger und Zivilangestellte

Flottenstab, B-Dienstgruppe, Prisenkommando und Kriegsberichterstatter

Bestellen