Schlachtschiff Bismarck | Das wahre Gesicht eines Schiffes
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  Paul Ascher

Fregattenkapitän

Paul Ascher

I. Admiralstabsoffizier

* 18.12.1899 in Stutgarten (Brandenburg) – † 27.5.1941

Fregattenkapitän  
Paul Ascher Deutschland (1899)

Deutschland (1899)

Quellen:

Gert † & Ursula Ascher
(Sohn & Schwiegertochter) / Hamburg

Monika Krestas (Tochter)

www.maritimequest.com

W. Lohmann u. H.H. Hildebrand: Die deutsche Kriegsmarine 1939 – 1945, Band III

Paul Ascher wurde am 18. Dezember 1899 auf dem brandenburgischen Gut Stutgarten geboren. Dieses hatte sein Großvater erworben, nachdem er mit dem Aufbau einer Ziegelei zu etwas Reichtum gekommen war. Der Storkower-Kanal verband das Gut über die seenreiche Region des Berliner Urstromtals mit der nahe gelegenen aufstrebenden Reichshauptstadt. Dort wurden die Ziegel für den Häuserbau dringend benötigt. Da die Ziegelei dem Ort zu Arbeitsplätzen verholfen hatte, wurden die Aschers geschätzt. Auf dem Gut, das mittlerweile in den Besitz seines Vaters Paul übergegangen war, wuchs Paul Ascher zusammen mit seiner Schwester auf. Zwei weitere Schwestern waren bereits im Kindesalter verstorben. Paul Ascher besuchte die kleine Dorfschule, tat sich jedoch im Unterricht schwer, besonders das Fach Latein auf dem Gymnasium lag ihm nicht, und so bekamen seine Eltern manch ermahnenden Brief seiner Lehrer zugesandt. Als seine Mutter starb, verkaufte der Vater das Gut und zog mit seinen Kindern nach Berlin. Bald darauf starb auch der Vater uns so nahm sich ihr Onkel Karl, ein Bruder seines Vaters, der beiden Kinder an. Karl Ascher war Admiral in der Kaiserlichen Marine und wohnte in Kiel. Den Jungen aus der brandenburgischen Provinz faszinierten die Eindrücke, welche er bei seinem Onkel in Kiel sammelte. Die Marine hatte es ihm angetan und so entschloss er sich, auch Marineoffizier zu werden.

Segelboot von Paul Ascher Der Erste Weltkrieg wütete bereits seit drei Jahren als sich Paul Ascher direkt nach seinem Abitur in Berlin mit 17 ½ Jahren als Offiziersanwärter für den Dienst in der Kaiserlichen Marine bewarb. Mit der Crew VII/17 begann seine Offizierslaufbahn im Juli des Jahres 1917 mit der Grundausbildung. Bis in den Dezember des Jahres wurde Paul Ascher an der Marineschule, sowie an Bord des großen geschützten Kreuzers, bzw. Schulschiffes SMS Freya ausgebildet. Danach verbrachte der junge Seekadett ein halbes Jahr auf dem Linienschiff SMS Kaiserin. Es folgten weitere Kurse und Ausbildung bis zum Ende des Krieges. Mit der Marine hatte Paul Ascher seine Berufung gefunden, er hatte viel Freude am Dienst und erbrachte gute Leistungen. Als der Krieg 1918 endete, war seine Offiziersausbildung noch nicht abgeschlossen, dennoch gelang dem jungen Fähnrich zur See der Übergang in die Reichsmarine, wo er seine Karriere erfolgreich fortsetzen konnte. Nebenbei entwickelte er eine große Leidenschaft für das Segeln, nahm an Regatten teil und galt lange Zeit als der beste Segler in der Marine. 1936, nach einer Teilnahme an der Olympiade gefragt, welche in jenem Jahr in Berlin stattfand, lehnte er ab, mit der Begründung, er fühle sich dafür zu alt und wolle Jüngeren das Feld überlassen. Das diese Ablehnung von falscher Bescheidenheit zeugt, zeigt allein schon sein Regattasieg beim Norddeutschen Regatta Verein während der Kieler Woche im gleichen Jahr. Noch heute zeugen viele von ihm gewonnene silberne Trophäen von seinen damaligen Erfolgen. Mit dem Segeln verband Paul Ascher auch noch eine andere Angewohnheit, wie sich sein Crewkamerad Edert erinnerte. Bei gemeinsamen Turns pflegte Paul Ascher sich nach den gerade im Arrest sitzenden Marinesoldaten zu erkundigen und sich deren Vergehen schildern zu lassen. Befand er das Vergehen als minder schlimm oder gar ungerechtfertigt, so sorgte er dafür, dass der bestrafte Marinesoldat als Segelkadett auf sein Segelboot kam und so den Arrest zumindest zeitweilig umging. Er selbst hatte einmal als junger Offiziersanwärter einem Vorgesetzten widersprochen, und, obwohl er sich im Recht befunden hatte, eine Arreststrafe absitzen müssen.

Torpedoboot Falke

Kiellegung:

17.11.1925

Stapellauf:

22.09.1926

Indienst-
stellung:

15.08.1927

Ende:

14.06.1944
(versenkt)

Verdrängung:

1.290 ts

Größe:

88 m x 8 m

Besatzung:

120 Mann

Die Falke kam während des Spanischen Bürger-
kriegs zu ihrem ersten Einsatz. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges folgten Minenlege- und Geleitschutzeinsätze. Die Falke operierte sowohl in Nord- und Ostsee, als auch vor der französischen Küste. Nach mehreren Einsätzen gegen die alliierten Landungsstreit-
kräfte sank die Falke nach Bombentreffern am 14. Juni 1944 in Le Havre.

Torpedoboot Falke

Mitte der Zwanzigerjahre war Paul Ascher in Ostpreußen stationiert. Zu den Marinefesten wurden damals die Töchter der umliegenden Gutshöfe eingeladen und so kam es, dass er seine spätere Frau Ursula traf. Das viereinhalb Jahre jüngere Mädchen stammte aus gutem Hause, einer alteingesessenen ostpreußischen Gutsfamilie mit dem Namen Dawert. Am 26. September 1926 – Paul Ascher war zu jener Zeit im Stab der Marinestation der Ostsee – heirateten beide im Garten des Gutshauses. Drei Jahre später, im Dezember 1929, wurde ihr Sohn Gert in Swinemünde geboren. Die kleine Familie folgte dem Vater mit fast jedem seiner Kommandowechsel. Richtig heimisch wurde sie nirgends und Gert Ascher, der bis zu seinem Abschluss zwölf verschiedene Schulen besuchte, hatte es schwer, Freunde zu finden. Der Vater war meist nicht daheim, umso kostbarer war dann die Zeit, in der er es doch war. Dieses Schicksal teilten viele Marinefamilien und so bestand zumindest unter den Marineoffiziersfrauen eine feste Verbundenheit. Beruflich ging es für Paul Ascher derweil weiter voran. Im September 1930 erhielt er, inzwischen zum Kapitänleutnant befördert, erstmals selber das Kommando über ein eigenes Boot. Als Kommandant befehligte er zwei Jahre lang das Torpedoboot Falke.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten änderte sich Paul Aschers Lage, da er sowohl väter- wie auch mütterlicherseits jüdische Vorfahren hatte. Durch die Nürnberger Rassengesetzten wurde er 1935 als so genannter „Mischling 1. Grades“ bzw. „Halbjude“ eingestuft, was im Rassenwahn der Nationalsozialisten bedeutete, dass ein Elternteil oder zwei Großeltern jüdisch waren. Der Glaube selber – Paul Aschers Familie war evangelisch – spielte dabei keine Rolle. Doch als mit dem Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse ausgezeichneter und in der Reichsmarine verdienter Offizier, passte Paul Ascher nicht in das Schema des Rassenwahns. Er stellte einen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung, die so genannte „Deutschblütigkeitserklärung“, welche ihn mit den „Deutschblütigen“ gleichstellen würde. Diese Ausnahmeregelung hatte sich Hitler vorbehalten. Zu der Beurteilung Paul Aschers zog er eingesandte Fotos mit Profil- und Frontansicht heran, die letzten Endes ausschlaggebend zur Genehmigung des Antrags waren. In einem später bekannt gewordenen internen Vermerk notierte Hitler perfider Weise „Nach erfolgtem Endsieg überprüfen.“ Von den insgesamt mehr als 10.000 Anträgen wurden bis 1941 nur 260 bewilligt. Paul Ascher hatte großes Glück. Welch schwere Demütigung er empfunden haben muss lässt sich nur erahnen.

Panzerschiff Admiral Graf Spee

Kiellegung:

25.06.1931

Stapellauf:

01.10.1932

Indienst-
stellung:

06.01.1936

Ende:

17.12.1939 (selbst-
versenkt)

Verdrängung:

12.300 ts

Größe:

186 m x 22 m

Besatzung:

1.150 Mann

Die Admiral Graf Spee war das letzte der drei unter den Restriktionen des Versailler Vertrages nach dem Motto „schneller als die Stärkeren und stärker als die Schnelleren“ gebauten Panzerschiffe. Als Flottenflaggschiff wurde sie von 1936 bis 1937 während des Spanischen Bürgerkrieges erstmalig eingesetzt. Als der Zweite Weltkrieg begann befand sich die Admiral Graf Spee bereits vorsorglich im Südatlantik und nahm dort in wechselnden Operationsgebieten den Handelskrieg auf. Ihr großer Fahrbereich erlaubte ein weitläufiges Operieren von der Süd-
amerikanischen Ostküste bis hinein in den Indischen Ozean. Am 13. Dezember 1939 geriet das Panzer-
schiff vor dem Rio de la Plata in ein Gefecht mit drei Kreuzern und erlitt dabei schwere Schäden die zu einem Anlaufen Montevideos zwecks Reparatur zwangen. Uruguay stellte das Schiff vor ein Ultimatum, da in dieser Zeit die Seefähig-
keit der Admiral Graf Spee nicht wiederhergestellt und sich der Kommandant einer feindlichen Über-
macht gegenüber glaubte, versenkte er am 17. Dezember sein Schiff selbst und rettet damit das Leben vieler deutscher und britischer Seeleute.

Panzerschiff Admiral Graf Spee

Paul Ascher Ab März 1938 diente Paul Ascher, nunmehr im Dienstgrade eines Korvettenkapitäns, als Erster Artillerieoffizier auf dem Panzerschiff Admiral Graf Spee. Dieses war gerade von seinem fünften und letzten Einsatz aus dem Spanischen Bürgerkrieg nach Kiel zurückgekehrt. Ende Juni unternahm er mit dem Schiff eine Nordlandfahrt. Es folgten die große Flottenparade in Kiel, anlässlich des Stapellaufs der Prinz Eugen, sowie die Herbstmanöver als Flottenflaggschiff. Danach trat die Admiral Graf Spee eine Werftüberholung an. In dieser Zeit wurde das Schiff mit 10,5 cm Flak-Geschützen sowie neuen Funkmessgeräten ausgestattet. Zur Erprobung ging das Schiff über den halben Monat Oktober und erneut im November in den Atlantik. Während der zwei Reisen wurden Häfen in Spanien, Portugal und Marokko angelaufen. Vom 22. bis 24. März 1939 erlebte Paul Ascher an Bord der Admiral Graf Spee, dem damaligen Führungsschiff aller teilnehmenden Marineeinheiten, die Angliederung des Memellandes an das Reich. Es folgte ein groß angelegtes Manöver im Atlantik, an dem sich, neben den drei Panzerschiffen, auch die Kreuzer Leipzig und Köln, Zerstörer und drei U-Bootsflottillen beteiligten. Nach der Rückkehr von dieser Machtdemonstration nahm die Admiral Graf Spee die aus Spanien heimkehrende Legion Condor in Empfang und geleitete sie nach Hamburg.

Panzerschiff Admiral Graf Spee Am 21. August 1939 verließ die Admiral Graf Spee, vorsorglich für den Handelskrieg ausgerüstet, Wilhelmshaven um im Südatlantik eine Warteposition einzunehmen. Einen Monat nach ihrem Auslaufen, der Zweite Weltkrieg hatte bereits vor drei Wochen begonnen, wurde der Operationsbefehl übermittelt. In seiner Position als Erster Artillerieoffizier hatte sich Paul Ascher in den eineinhalb Jahren an Bord gut auf den nun eingetretenen Ernstfall vorbereitet. Er kannte sein Schiff und die Leistungsstärke seiner Artillerie. Unterstützt durch das Versorgungsschiff Altmark führte die Admiral Graf Spee eigenständig Kreuzerkrieg gegen die alliierte Handelsschifffahrt. Erstes Opfer dieses Einsatzes wurde am 30. September der britische Frachter Clement, welcher vor der brasilianischen Küste versenkt wurde. Auf der Kapstadt-Freetown-Route fielen dem Schiff vier weitere Handelsschiffe zum Opfer. Danach wurde das Operationsgebiet in den Indischen Ozean verlegt. Hier wurde am 15. November der leere Küstentanker Africa Shell versenkt. Wieder im alten Operationsgebiet versenkte die Admiral Graf Spee weitere drei Handelsschiffe. Für die erfolgreiche Versenkung wurde Paul Ascher am 5. Dezember, zusammen mit dem Ersten Offizier, vom Kommandanten das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Die insgesamt neun versenkten Schiffe hatten zusammen eine Tonnage von 50.000 Bruttoregistertonnen. Auf die Einhaltung der Prisenordnung wurde großer Wert gelegt. Die Schiffe wurden zunächst aufgefordert zu stoppen und strikt Funkstille zu wahren. Vor der Versenkung ließ man der Besatzung ausreichend Zeit zum Verlassen des Schiffes, so dass es zu keinem einzigen Todesopfer kam. Die Schiffbrüchigen wurden dann von der Admiral Graf Spee aufgenommen. Während die Offiziere an Bord verblieben wurden die Mannschaften an das Trossschiff Altmark abgegeben.

Mittlerweile hatte der Dezember begonnen und das Unternehmen näherte sich seinem Ende. Vor der Rückfahrt wollte der Kommandant, Kapitän zur See Langsdorff, noch die südamerikanische Ostküste nach alliierten Handelsschiffen absuchen. Am 13. Dezember 1939 stieß sein Schiff jedoch, vor der Mündung des Rio de la Plata, auf einen alliierten Kriegsschiffverband, bestehend aus den britischen Kreuzern HMS Exeter und HMS Ajax, sowie dem neuseeländischen Kreuzer HMNZS Achilles. Es kam zum Gefecht. Paul Ascher leitete den Artillerieeinsatz seines Schiffes mit Erfolg. Die HMS Exeter musste schwer beschädigt das Gefecht abbrechen, während die anderen beiden Kreuzer leicht beschädigt wurden. Auch die Admiral Graf Spee musste eine Reihe Treffer hinnehmen, die erheblichen Schaden verursachten. An Bord hatte man nach dem Gefecht 36 Tote und 59 Verwundete zu beklagen. Am schwersten wog ein Treffer in die Back, der die Seefähigkeit des Schiffes, besonders im Hinblick auf die winterlichen Verhältnisse im Nordatlantik, ernsthaft in Frage stellte. Weil das Schiff mit Bordmitteln für die Rückfahrt in die Heimat nicht klargemacht werden konnte, entschloss sich der Kommandant, in die La Plata Mündung einzulaufen, auch auf die Gefahr hin, dort eingeschlossen zu werden. Dazu gab die Seekriegsleitung ihr Einverständnis.

Wenige Stunden später warf die Admiral Graf Spee vor Montevideo, im Hoheitsgewässer des neutralen Landes Uruguay, den Anker und erbat eine angemessene Frist zur Wiederherstellung der Seefähigkeit. Die uruguayische Regierung stellte jedoch ein zweiundsiebzigstündiges Ultimatum. Bis zum Ablauf des Ultimatums sollte das Schiff wieder auslaufen oder es werde interniert. Weitere Verhandlungen, an denen auch Paul Ascher beteiligt war, konnten daran nichts ändern. Zur Reparatur reichte die Zeit nicht aus. Die Royal Navy setzte weitere Streitkräfte zur La Plata Mündung in Marsch und erzeugte, durch geschickte Manipulation von Meldungen, den Eindruck, dass erste schwere Einheiten bereits eingetroffen seien und ein Ausbruch des deutschen Schiffes zwangsläufig in dessen Vernichtung enden würde. In dieser ausweglos scheinenden Lage entschloss sich Kapitän zur See Langsdorff, im Einvernehmen mit der Seekriegsleitung, zur Selbstversenkung seines Schiffes.

Die Admiral Graf Spee trat am Abend des 19. Dezember 1939 ihre letzte Fahrt an. Außerhalb der uruguayischen Hoheitsgewässer wurde dann, nach Verlassen des noch an Bord befindlichen Sprengkommandos, zu dem auch Paul Ascher zählte, sämtliche Restmunition zur Explosion gebracht. Zwei Tage lang brannte das Wrack aus, ehe die Admiral Graf Spee sank. In einer Ansprache an die Besatzung verkündete der Kommandant, dass diese nun in Argentinien interniert würde. Er freue sich, dass er nun seine bewährte, tapfere Besatzung in Sicherheit wisse, dass Argentinien die Spee-Männer herzlich willkommen heiße und dass ihr Schicksal nicht zuletzt bei der großen deutschen Kolonie in guten Händen liegen würde. Des Weiteren begründete er seine Entscheidung zur Sprengung des Schiffes zum Schutze seiner Besatzung und seines Schiffes vor Feindeshand. Am Abend saß Langsdorff noch mit einigen Offizieren und einheimischen Deutschen zusammen. Gegen 22 Uhr verabschiedete er sich mit festem Händedruck von den Offizieren, sprach mit jedem ein paar Worte und zog sich auf sein Zimmer zurück, wo er sich das Leben nahm.

Bildergalerie – Das Ende des Panzerschiffs Admiral Graf Spee

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Die Anteilnahme an seiner Beerdigung, drei Tage später, war riesig. Paul Ascher schritt, mit drei weiteren Stabsoffizieren, dem Sarg vorweg, das Ordenskissen seines Kommandanten tragend. Beide hatten nicht nur eine dienstliche sondern vielmehr eine freundschaftliche Beziehung verbunden, umso schwerer fiel der Abschied. Nach der Beisetzung begann die Internierung in Argentinien. Die meisten Besatzungsmitglieder blieben bis Kriegsende und teilweise auch darüber hinaus, in Argentinien. Paul Ascher hingegen entschloss sich zur Heimkehr. Trotz seiner schwierigen Situation als „Halbjude“, wagte er das abenteuerliche Unterfangen. Sicherlich wird ihn dabei der Wunsch nach Heimkehr zu seiner Familie getragen haben. Mit Hilfe einer Deutsch-Argentinischen Familie floh er aus der Internierung und gelangte versteckt in einem Postflugzeug nach Spanien. Im Frühjahr 1940 erreichte er schließlich seine Familie in Berlin. Wieder im Dienst der Kriegsmarine befindlich wurde er zunächst dem Marineoberkommando Nord zur besonderen Verfügung unterstellt, bis sich im Mai ein neues Kommando fand. Paul Ascher blieb im Stabsdienst tätig. Von einem in dieser Zeit herausgegebenen Erlass des Oberkommandos der Wehrmacht, welcher die Entlassung aller „Mischlinge 1. Grades“ aus der Wehrmacht bestimmte, blieb er durch seine Sondergenehmigung verschont.

Vom Mai bis zum Juli 1940 war Paul Ascher als I. Admiralstabsoffizier im Stab des Befehlshabers der Panzerschiffe tätig. Da der Befehlshaber der Panzerschiffe, Vizeadmiral Marschall, zugleich Flottenchef war, bezog sich die Stabsarbeit praktisch auch auf die des Flottenkommandos, in welches Paul Ascher nach der Auflösung des Stabes des Befehlshabers der Panzerschiffe Ende Juli 1940 überführt wurde.

Schlachtschiff Gneisenau

Kiellegung:

18.12.1934

Stapellauf:

08.12.1936

Indienst-
stellung:

21.05.1938

Ende:

01.07.1942
(verschrot-
tet)

Verdrängung:

35.000 ts

Größe:

235 m x
30 m

Besatzung:

1.840 Mann

Die Gneisenau nahm als Flottenflagschiff von Kriegsbeginn an zusam-
men mit ihrem Schwester-
schiff Scharnhorst an einer Vielzahl offensiver Unternehmungen teil. Nach einer ausgedehnten Unternehmung im Atlantik saßen beide Schiffe von April 1941 bis Februar 1942 nach mehrfachen Bombentreffern im französischen Brest fest. Kurz nach dem Rückzug erhielt die Gneisenau einen fatalen Bomben-
treffer, der die Pulver-
kammer von Turm Anton entzündete. Danach wurde das Schiff für Reperatur- und Umbauarbeiten außer Dienst gestellt, welche Anfang 1943 auf Befehl Hitlers eingestellt wurden.

Schlachtschiff Gneisenau

Anfang Juni schiffte sich Paul Ascher mit dem Flottenstab auf dem Schlachtschiff Gneisenau ein. Das Oberkommando der Kriegsmarine plante einen Vorstoß zur Entlastung der immer noch bei Narvik kämpfenden Einheiten des Generalleutnant Dietl. Dass der Verband dabei mitten in eine Rückzugsbewegung der britischen Truppen geraten würde, war dem Oberkommando der Kriegsmarine zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar. Am 4. Juni stachen die Scharnhorst, Gneisenau und Admiral Hipper begleitet von vier Zerstörern in See. Noch während des Anmarsches wurden am 8. Juni der leere Truppentransporter Orama, der Tanker Oilpioneer, sowie der Trawler Juniper versenkt. Drei Stunden nach der Detachierung der Admiral Hipper mit den Zerstörern, zum Nachbunkern in Trondheim, sichtete man auf der Scharnhorst eine Rauchfahne am Horizont. Der Kontakt stellte sich bald als der britische Flugzeugträger HMS Glorious mit seiner Zerstörersicherung heraus.

Der brennende Flugzeugträger HMS Glorious Den Flugzeugträger traf der Angriff völlig unvorbereitet, keines der Flugzeuge stand zu dieser Zeit auf dem Flugdeck, geschweige denn in der Luft, die Maschinenanlage machte 17 Knoten Fahrt mit nicht allen Kesseln im Betrieb, selbst das Krähennest war nicht besetzt. Während die Zerstörer den Flugzeugträger einnebelten, versuchte dieser zu entkommen und Flugzeuge zu starten. Doch bereits die dritte Salve der Scharnhorst unterband den Start von Flugzeugen gänzlich. Nach fast zweistündigem Gefecht waren beide Zerstörer der Sicherung und die HMS Glorious selbst vernichtet. Nur 46 Überlebende wurden später von norwegischen Schiffen und einem deutschen Flugzeug aus dem Wasser geborgen. Die deutschen Schiffe unternahmen, aufgrund der Gefahr entdeckt zu werden, keine Rettungsversuche. Die Scharnhorst hatte während des Gefechtes einen schweren Torpedotreffer in das Achterschiff hinnehmen müssen. Sonst waren die Beschädigungen der deutschen Schiffe eher gering. Nach diesem Gefecht endete das Unternehmen. Trotz des Erfolges, wurde das eigentliche Ziel des Operationsbefehls (die Entlastung Generalleutnant Dietls Truppen), welches in den Augen des Flottenchefs berechtigterweise durch die veränderte Lage seine Bedeutung verloren hatte, verfehlt. Über diesen Punkt kam es zwischen dem Flottenchef und dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine zu solchen Querelen, das Vizeadmiral Marschall schließlich als Flottenchef durch Vizeadmiral Lütjens erst vertreten und später abgelöst wurde.

Flottenchef Günther Lütjens Mit dem neuen Flottenchef (noch in Vertretung) unternahm Paul Ascher auf der Gneisenau am 20. Juni einen erneuten Vorstoß gegen die englischen Schiffe. Das Unternehmen endete jedoch bereits beim Verlassen der norwegischen Schären, als die Gneisenau von einem Torpedo, des dort lauernden britischen U-Boots HMS Clyde, getroffen wurde.

Ende Juli wurde dann, wie bereits geschrieben, der Stab des Befehlshabers der Panzerschiffe aufgelöst und Paul Ascher stieß als I. Admiralstabsoffizier zum Flottenstab, in welchem er praktisch ja bereits zuvor tätig war. Nach Fertigstellung aller Reparaturarbeiten auf den beiden Schlachtschiffen Gneisenau und Scharnhorst schiffte sich Paul Ascher im Dezember 1940 erneut mit dem Flottenstab auf der Gneisenau ein. Die Flotte plante mit den beiden Schiffen einen Vorstoß in den Atlantik, um dort gegen die alliierten Schiffskonvois zu operieren. Das Unternehmen bekam den Namen Berlin. Sturmschäden auf der Gneisenau zwangen jedoch zum Abbruch des ersten Ausbruchversuches am 28. Dezember 1940. Auch der zweite Versuch, einen Monat später, musste abgebrochen werden, als die Scharnhorst und Gneisenau auf zwei britische Kreuzer stießen. Anfang Februar 1941 gelang dann endlich der unbemerkte Durchbruch in den Atlantik. Admiral Lütjens konzentrierte sich nun auf die Geleitzüge der Nordatlantikroute, welche von Kanada nach Großbritannien liefen. Am 9. Februar wurde erstmals ein Konvoi gesichtet. Doch die anfängliche Freude verblasste schnell, als das Schlachtschiff HMS Ramilies als Sicherungsfahrtzeug festgestellt wurde. Der Operationsbefehl untersagte strikt die Aufnahme von Gefechten mit gleichwertigen Gegnern und so blieb der Konvoi unangetastet.

Paul Ascher in der Wochenschau während einer Lagebesprechung kurz vor dem Unternehmen Rheinübung Nach langer erfolgloser Suche kam erst am 22. Februar wieder ein Konvoi in Sicht, dieser war jedoch unbeladen auf dem Rückweg nach Amerika und somit kein ideales Ziel. Admiral Lütjens entschied sich dennoch zum Angriff und versenkte fünf Schiffe. Am 7. März wurde erneut ein Konvoi entdeckt, da sich dieser jedoch in Begleitung des Schlachtschiffes HMS Malaya befand, unterblieb ein Angriff. Stattdessen nahmen die beiden Schlachtschiffe die Fühlung auf und führten zwei eigene U-Boote heran. Bereits am nächsten Tag wurden so sechs Schiffe versenkt. Die Suche ging weiter. Zusammen mit den Versorgern Uckermark und Ermland bildete die Flotte einen Suchstreifen der eine Strecke von 220 km abdeckte. Sechs Einzelfahrer fielen dem Verband zunächst zum Opfer. Dann, am 15. März, sichtete die Uckermark eine größere Ansammlung von Schiffen ohne Sicherung. Drei Tanker wurden als Prise aufgebracht und Richtung Frankreich in Marsch gesetzt, wovon jedoch nur einer ankam. Vier weitere Tanker wurden versenkt. In der Nacht wurde noch ein Konvoi gesichtet und im Morgengrauen angegriffen. Zehn Schiffe fielen der Gneisenau und Scharnhorst zum Opfer. Dann näherte sich das Schlachtschiff HMS Rodney und zwang den deutschen Verband zum Rückzug. Es war die letzte Aktion des Unternehmens Berlin. Am Morgen des 19. März nahmen die beiden Schiffe Kurs Richtung Brest, wo sie drei Tage später ankamen. Die nächste Unternehmung der Gneisenau und Scharnhorst war zusammen mit dem Schlachtschiff Bismarck und dem Kreuzer Prinz Eugen geplant, wozu es jedoch nicht kam.

Unternehmen Berlin

Plan Unternehmen Berlin

Am 27. März 1941 kehrte Paul Ascher mit dem Flottenstab und dessen Unterstab nach Kiel zurück, wo sich der Stab zunächst auf das Linienschiff Schleswig-Holstein einquartierte. Die Zeit verging mit Besprechungen zur Planung der nächsten Unternehmung. Während dessen erhielt die Gneisenau in Brest schwere Bombentreffer, welche das Schiff über Monate hinweg einsatzunfähig machten. Der Flottenstab stieg Ende April auf den Flottentender Hela um und wurde von Kiel nach Swinemünde verlegt und schließlich weiter nach Gotenhafen. Dort kam am 1. Mai die Nachricht an, dass Hitler einen Besuch auf der Bismarck und Tirpitz am 5. Mai plane. Einen Tag vor diesem Ereignis schickte der Flottenchef seinen I. Admiralstabsoffizier, Paul Ascher, zur Festungskommandantur, um das Besuchsprogramm zu besprechen. Dies tat er, begleitete den folgenden Besuch aber nicht.

Paul Aschers Kammer auf der Bismarck

Paul Aschers Kammer auf der Bismarck

(Oberdeck, Abt. VIII StB)

1

Schlafkoje

2

Bücherschrank

3

Waschbecken

4

Schreibtisch

5

Lüfter

6

Heizkörper

7

Bullaugen

Am 12. Mai schiffte sich der Flottenstab erstmalig zur Teilnahme an einer Klarschiffübung, gefolgt von einem Gefechtsbild am nächsten Tag, auf dem Schlachtschiff Bismarck ein. An Bord standen dem Stab fast die gesamten achteren Aufbauten als Wohn-, Arbeits- und Besprechungsraum zur Verfügung. Paul Aschers Einzelkabine befand sich an Oberdeck Steuerbordseite, direkt gegenüber dem Asto-Arbeitszimmer. Es war eine sehr geräumigen Kabine in Anbetracht der Raumknappheit an Bord eines Kriegsschiffes. Es blieb vorerst bei diesem kurzen Aufenthalt. Am nächsten Tag ging es zurück auf die Hela. Am 15. Mai begleitete Paul Ascher den Flottenchef auf seinem Flug nach Berlin. Dort fand die letzte Besprechung mit der Seekriegleitung vor dem Auslaufen statt. Dabei fand er wahrscheinlich auch Gelegenheit, um sich von seiner hochschwangeren Frau zu verabschieden. Drei Tage später war es dann soweit, das Unternehmen Rheinübung begann. Der spätere Überlebende und damalige IV. Artillerieoffizier der Bismarck, Burkard Freiherr von Müllenheim-Rechberg, begegnete dem Flottenchef, begleitet von seinem I. Admiralstabsoffizier Paul Ascher, am Morgen des 27. Mai. Es war das letzte Mal, dass beide gesehen wurden. Der einundvierzigjährige Familienvater Paul Ascher fiel in dem wenig später folgenden Gefecht.

Paul Aschers Ehefrau Ursula befand sich derweil mit ihrem zwölfjährigen Sohn Gert bei ihrer Schwester im ostpreußischen Insterburg, um bei der Geburt ihres zweiten Kindes nicht allein zu sein. Dort erfuhr sie vom Untergang der Bismarck und war sich sofort sicher, dass mit dem Schiff auch ihr Mann untergegangen war. Paul Ascher hatte seinen Ehering dieses Mal nicht wie sonst üblich, mit auf die Fahrt genommen. Vielleicht hatte er eine Vorahnung, vielleicht war es auch bloß ein Versehen. Sieben Wochen nach seinem Tod wurde Paul Aschers Tochter Monika, am 9. Juli 1941, geboren. Sie wuchs auf, ohne ihren Vater je kennen gelernt zu haben. Dennoch war der ihr unbekannte Vater immer gegenwärtig und wurde von seiner Frau, seinem Sohn und seiner Tochter ein Leben lang geliebt und vermisst.

* Sie war überzeugt, dass ihr Mann als erfahrener Artillerist während des Gefechtes trotz seiner Stabszugehörigkeit in der Artillerie eingesetzt war und bei den frühen Treffern in die Artillerieleitstände fiel.

Paul Aschers Witwe ertrug den Tod ihres Mannes mit großer Tapferkeit und Würde. Tröstend war für sie die Geburt ihrer gemeinsamen Tochter Monika und die Gewissheit, dass ihr Mann schnell getötet worden sei*. Bewusst ließ sie in der Todesanzeige nicht den damals üblichen Spruch „für Führer und Vaterland“ drucken. Über die Jahre hinweg hielt sie die Verbindung zu ehemaligen Marine-Freunden ihres Mannes aufrecht und die Erinnerung an ihn lebendig, wie auch der Rest ihrer Familie. Ein Crewkamerad Paul Aschers berichtete über ihn voller Anerkennung, er sei der anständigste, gescheiteste und liebenswerteste Kamerad und Freund gewesen.

Paul Ascher wurde posthum zum Kapitän zur See befördert.

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Flottenstab, B-Dienstgruppe, Prisenkommando und Kriegsberichterstatter

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